Bündner Haute Route 2

(verfasst von Bert_1 am Mo 5. Mai. 2008)

Über Linardhütte (2327m), Plattenhörner (3200m) und Piz Zadrell (3104m) auf den König der Silvretta, den Piz Linard (3410m)

Motivation ist nicht mehr viel vorhanden, bei dem Gedanken mit den schweren Rucksäcken und nach der langen Tour des Vormittags noch mal 900 m auf die Linardhütte aufzusteigen. Auch wenn wir lange keinen Schnee finden und so den größten Teil der Strecke die Schi tragen müssen, so geht es auf dem schattigen Wanderweg doch besser voran als erwartet. Mühsam werden erst die letzten Meter durch die tiefen, feuchten Schneefelder, die zur Hütte führen.

Wunderschön liegt sie da, die kleine Hütte, am Fuß des so weit hin sichtbaren Koloss Piz Linard. Im Winter ist die Hütte zwar nicht bewartet, Winterraum und Stube sind aber hervorragend ausgestattet. Gemeinsam mit den beiden Vorarlbergern, die ebenfalls auf den Piz Linard steigen wollen verbringen wir den Nachmittag auf der schönen Sonnenterasse vor der Hütte.

Im Morgengrauen steigen wir auf. Noch nicht auf den Linard, den sparen wir für das morgige Finale. Heute geht’s auf die Plattenhörner, wir wollen die Nordrinne zwischen diesen markanten Felszacken abfahren und den Tag gleichzeitig dazu nutzen, die besten Aufstiegsroute auf den Linard auszukundschaften. Zunächst steigen wir in die Fuorcla da Glims, queren dann leicht abfallend unter der Westwand des Linards durch und steigen dann über den Vereinapass und das steile Südcouloir zum Gipfel des Hinteren Plattenhorns.

Leider haben sich um unseren Gipfel herum hartnäckig einige Wolken gehalten, so dass sich die Fernsicht in Grenzen hält. Also beginnen wir zügig mit der Abfahrt nach Norden. Auch wenn wir nicht die ersten sind, Vortags scheinen schon zwei Wagemutige auf die Idee gekommen zu sein, die steile Nordrinne abzufahren, so finden wir doch genügend Platz für unsere Spuren.

Unten angekommen wird nach kurzer Rast wieder angefellt und wir steigen auf den benachbarten Piz Zadrell. Die steile Abfahrt im idealen Firn bringt uns zurück ins Val Saglians und nach der Querung in die Scharte und lohnender Abfahrt sind wir zurück auf der Hütte, genießen einmal mehr Frühlingssonne und Panoramablick ins Engadin.

Aufgrund des positiven Berichts der Österreicher und der Tatsache, dass in der anderen möglichen Aufstiegsroute, der Westrinne eine Lawine liegt, entscheiden wir uns den Gipfel des Piz Linard über die Südwand zu bezwingen. Leider hüllt sich der Gipfel in Wolken als wir morgens in Richtung Südwand aufsteigen. Je näher wir diesem markanten Felsgipfel kommen, der von der Ferne so steil und unbezwingbar wirkt, desto weiter weicht er zurück und schließlich finden wir eine ca. 45° steile Rinne vor, die durch das große Schneefeld im Zentrum der Wand auf den Südwestgrat und zum Gipfel führt.

Mit leichtem Gepäck und den Schiern auf dem Rücken sind wir auch dank der guten Spur vom Vortag schnell unterwegs, brauchen gerade mal 2,5 h von der Hütte bis zum Gipfel Wieder Pech mit dem Wetter, windig und der Gipfel in Wolken, so kann man auch nicht mit Firn in der Abfahrt rechnen. Die ist dann auch bockhart und in den Brocken alter Lawinen nicht immer ein Genuss. Aber immer noch besser schlecht gefahren als gut gegangen. Und so geht es denn weiter, hinab in die Furcola da Glims und dann durch das Val Sagliains hinab ins Engadin. Dank Lawinenkegel im Bachbett müssen wir dann auch nur eine kurze Strecke tragen ehe wir am Vereinatunnel den Zug zurück nach Davos besteigen.

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