Wird das „Dschungelbuch“ wirklich gesprengt?

(создан florian Пнд 13. Фев. 2006)

In den 80er und 90er Jahren wurde im Dschungelbuch am Fuße der Martinswand österreichische Klettergeschichte geschrieben. Nach wie vor erfreut sich dieser Klettergarten großer Beliebtheit.

Für alle „Nicht-Kletterer“ besteht die Martinswand nur aus der insgesamt ca. 300 Meter hohen Hauptwand, die man sogar von Innsbruck aus gut sehen kann. Zwar gibt es in der Hauptwand und durch den Vorbau nun auch schon an die 30 Routen mit Sportkletter-Charakter, die meisten Kletterer tummeln sich jedoch in den Klettergärten am Fuße der Martinswand. Neben dem AV-Klettergarten, der vor Allem für Anfänger ideal ist, erfreut sich das Dschungelbuch der größten Beliebtheit.

In der Kletterszene Tirols sind in letzter Zeit wieder verstärkt Gerüchte aufgetreten, dass der Hauptteil des Dschungelbuches im Zuge einer Erweiterung des Zirler Steinbruches gesprengt werden soll. Seitdem im Jahre 1999 durch die Folgen einer Fehlsprengung der beliebteste und beste Sektor des Dschungelbuches zerstört wurde, reagieren Kletterer auf solche Gerüchte umso sensibler.

In den Jahren um 1980 begann eine Gruppe eifriger Erschließer rund um Heinz Zak, Peter Gschwendtner und Reinhard Schiestl, Routen einzurichten. So entstanden in den Folgejahren eine Vielzahl lohnender und schwerer Kletterwege. Im Jahre 1985 gelang Stefan Bichlbauer mit der Rotpunktbegehung des „Hyperfreiflugs“ die erste Route im unteren zehnten Grad. Zunehmend wurden auch Linien eingebohrt, die von einem Nicht-Kletterer auf Grund ihrer Kompaktheit bereits bei bloßem Anblick sicherlich als nicht kletterbar abgestempelt worden wären.

Viele dieser Projekte wurden über Jahre hinweg von diversen Kletterern probiert, ehe sie ihre erste freie Begehung erhielten. So projektierte auch Hannes Rieser zwei kurze, fast grifflos wirkende Linien, ehe er 1989 mit der Erstbegehung von „Stay Hungry“ dem Dschungelbuch die erste Route im oberen Zehnten Grad bescherte. Zwei Jahre darauf gelang ihm dann auch sein zweites Projekt, welches er „Berg Heil“ nannte. Beide dieser Routen bieten für das Dschungelbuch sehr charakteristische Kletterei: Weite dynamische Züge an kleinen Leisten. Da die leicht überhängenden Felsen des Dschungelbuches oft nur sehr kleine Tritte aufweisen, ist präzises Steigen ein absolutes Muss.

Den bis dato letzten Meilenstein in Punkto Schwierigkeit setzte Reinhold Scherer im Jahre 1992 mit der Rotpunktbegehung der Route „Dschungelfieber“, die bis vor zwei Jahre auf ihre erste Wiederholung wartete. Spätestens seit der zweiten Begehung durch Markus Eberl, der die Schwierigkeitsbewertung sogar ein wenig nach oben korrigierte, gilt „Dschungelfieber“ nun offiziell als die erste Route Österreichs im unteren elften Grad.

Der gut strukturierte Kalk des Dschungelbuches bietet neben erstklassigen Routen auch exzellente Bouldermöglichkeiten. So gelang in den späten achtziger Jahren dem „Griffprofessor“ Stefan Kiechl die Erstbegehung der Traverse „Panta rhei“, die zu dieser Zeit mit der Bewertung Fb 8B+ trav. auch international ihresgleichen suchte. Wie schon der griechische Name verrät, verlangt dieser ca. 15 Meter lange Quergang flüssiges klettern. Zur Fortbewegung dienen bei diesem Testpiece, welches bis dato nur von Klem Loskot und Bernd Zangerl wiederholt wurde, ausschließlich Leisten, von denen keine breiter als 1cm ist.

Sicherlich kann sich jeder vorstellen, dass viele Kletterer angesichts der kursierenden Gerüchte um das Dschungelbuch bangen. Die Versuche, durch persönliches Engagement den Kontakt zu Politikern und zum Vorstand des Steinbruchs herzustellen, erwiesen sich jedoch als schwierig oder als wenig Erfolg versprechend. Auch die Antwort des Zirler Bürgermeisters auf das Schreiben eines Locals enthielt keine eindeutige Stellungsnahme auf die Gerüchte rund um die befürchtete Sprengung des Klettergebietes. Aus diesem Grund wurden in allen Kletterzentren in Innsbruck und Umgebung Unterschriftenlisten für den Erhalt des Dschungelbuches aufgelegt. Denn mit der Sprengung des Dschungelbuches würde nicht nur die Lieblingswand vieler Tiroler Kletterer, sondern auch einige Meilensteine der österreichischen und auch internationalen Klettergeschichte zerstört werden!

Bericht & Fotos: Florian Klingler und Bernhard Hangl

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