Sportarten20.11.08
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Cima Presanella, 3558m(verfasst von Juliap. am Di 18. Okt. 2005)
Die Cima Presanella ist nicht nur der höchste Berg von Trentino, sondern auch einer der abwechslungsreichsten Hochtouren in dieser Gegend! ![]() Es ist Mitte Juli, und bevor in einer Woche mein Praktikum anfängt, soll es noch einmal richtig auf Tour gehen! Peter und sein Vater Stefan sind mal wieder am dabei und so starten wir an einem Mittwochmorgen mit dem Auto von Innsbruck Richtung Süden über den Brenner, um dann hinter Bozen Richtung Westen über den Mendel Pass in das Adamello-Brenta-Gebiet zu gelangen. In dem kleinen gemütlichen Ort Pinzolo suchen wir uns ein schönes Hotel. Allerdings verheißt das Publikum im Ort und Hotel nichts Gutes: Italiens ältere Generation macht hier Urlaub und weit und breit keine anderen Bergsteiger in Sicht. Aber wir lassen uns nicht beirren, und als wir vom Balkon unseres Zimmers die ersten Blicke auf den majestätischen Gipfel erhaschen, steigt unsere Stimmung und Zuversicht!
![]() Beim Abendessen wird noch heftig diskutiert: gehen wir den Berg, wie im Führer beschrieben, vom Val Nambrone an, wo man mit dem Auto bis auf über 2000m Seehöhe fahren kann, oder nehmen wir die richtig harte Variante aus dem Val Genova mit einem Ausgangspunkt auf 900m. Peters Vater beharrt vehement auf die harte Tour, denn mit dem Auto auf einen Berg fahren kann ja jeder. Peter und ich sind von den 2650 HM etwas abgeschreckt, denn für einen Tag ist das vielleicht doch ein bisschen heftig. Aber Peters Vater lässt sich nicht davon abbringen, und mit dem Argument, „wir gehen halt mal soweit wir können“, ist die Sache beschlossen und wir hauen uns erst mal kurz aufs Ohr.
![]() Am nächsten Morgen um 7.30 Uhr starten wir dann bei traumhaftem und warmem Wetter vom Val Genova Richtung Cima Presanella. Durch das Val di Nardis geht es stetig bergauf zum Bivaco Roberti auf 2205m. Hier gibt es erst mal ein wohlverdientes zweites Frühstück, denn schließlich könnte man jetzt auch wieder umdrehen und hätte trotzdem eine halbwegs anständige Tour gemacht. Wir wissen, dass wir noch einiges vor uns haben (eigentlich ist uns längst klar, dass wir unbedingt auf den Gipfel wollen), aber wir beruhigen uns immer noch, dass wir ja keinen Druck haben, und jederzeit umdrehen können.
![]() Langsam aber stetig gehen wir weiter bergauf entlang der Vadretta di Nardis auf der östlichen Seitenmoräne. Auf ca. 2800m erblicken wir zum ersten mal den gewaltigen Gletscher und sind uns auf einmal gar nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee war, Pickel und Steigeisen aus Gewichtsgründen weiter unten zu verstecken. Aber gut, umdrehen ist nicht mehr drin, und so wie es aussieht, kommen wir noch ein gutes Stück ohne Gletscherberührung. Schon kurz darauf, auf ca. 3000m, kommt im Aufstiegsinn rechts des Gletschers der Gipfel in Sicht und wir stellen erleichtert fest, dass wir ohne Gletscherberührung über eine steile Firnrinne auf den zum Gipfel führenden Südgrat kommen müssten.
![]() Peter tut noch großmütig kund, dass er jetzt noch einmal „Vollgas“ gibt. Liegt es an den bereits zurückgelegten 2100HM, oder an der dünneren Luft, oder das wir im Firn teilweise bis zu den Knien einsinken, auf jeden Fall wird er nicht wirklich schneller, und so erklimmen wir dicht hintereinander die steile Rinne. Am Ende müssen wir noch über einen kurzen Felsabsatz kraxeln (II), um auf den Grad zu kommen. Die letzten hundert Höhenmeter über den Blockgrat ziehen sich noch mal gewaltig, aber das Gipfelkreuz in Sicht, mobilisieren wir alle Kräfte für den Endspurt. Die Aussicht ist gewaltig: im Südwesten der riesige Adamello-Gletscher und im Norden die 800m hohe, senkrecht abfallende Wand hinunter zum Presanella Gletscher.
![]() Wir genießen den Augenblick, aber der Gedanke, dass wir eigentlich erst die halbe Wegstrecke hinter uns haben, macht uns doch ein wenig zu schaffen.
![]() Aber was solls, wir wählen für den Abstieg die gleiche Route wie für den Aufstieg, und das bedeutet, dass wir nach der kurzen Kraxelei erst einmal 400HM die weiche Firnrinne hinunter rutschen können. Das macht richtig Laune und lässt uns zeitweise alle Anstrengungen vergessen.
Der restliche Richtung Tal ist dann doch eher mühsam, und beim Abstieg vom Bivaco Roberti muss ich immer wieder an den Vorabend denken, und an so Sprüche wie „in zwei Tagen kann es ja jeder“, oder „mit dem Auto auf einen Berg fahren ist ja einfach“. Ich muss ehrlich gestehen, die letzten zwei Stunden wäre ich auch gern „jeder“ gewesen oder hätte es mir „einfach“ gemacht.
![]() Doch dann wären wir wahrscheinlich nicht ganz so glückselig und stolz auf uns gewesen, als wir am Abend auf unsere Tour anstoßen und schon früh im Bett noch einmal den gigantischen Tag durchträumen.
Die eigentlich für den nächsten Tag geplante Tour auf die Cima Brenta wurde ersatzlos gestrichen :o)
Text: Julia P. Fotos: Peter L. http://www.schlick2000.at
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