Transalp Innsbruck - Gardasee 1

(verfasst von Bert_1 am So 29. Jul. 2007)

Die östliche Direttissima zum Gardasee führt durch das Inntal, über die Tuxer Alpen zum Brenner, über die Stubaier und Ötztaler Alpen nach Meran, streift die Ortlergruppe und dringt vor in das Herz der Brenta/ Pasanella, ehe sie an den Seen von Andalo, Molveno und Toblino vorbei am Gardasee ausläuf

Tag 1 von Innsbruck nach Weerberg --- Die ganze Woche war das Wetter schlecht aber pünktlich zum Wochenende stellt sich eine stabile Hochdrucklage ein, die Sonne pur für die nächste Woche verspricht. Genau zur richtigen Zeit, denn am Freitag wollen wir auf unsere einwöchige Mountainbike Transalp starten, die uns von Innsbruck über so manches Joch, machen Pass und durch verschiedene Täler nach Riva an den Gardasee führen soll. Als die östliche Direttissima ist die Tour bekannt – von Innsbruck soll es durch die Tuxer Alpen auf den Brenner gehen, dann entlang der Zillertaler Alpen und über den Brennergrenzkamm in die Stubaier Alpen, durch Texelgruppe und Ötztaler am Ortler vorbei und schließlich durch die Brenta hinab ins Trentino und zum Gardasee.

Das Wetter passt schon mal, die Gruppe sollte auch gut sein – zu siebt sind wir, die meisten kennen sich gut von früheren gemeinsamen Unternehmungen – fünf Deutsche aus den unterschiedlichsten Landesteilen – Bayern, Bandener und „Preißen“, ein Schweizer; alles routinierte Radfahrer; und ich selbst. Das einzige wo ich so meine Bedenken habe ist mein Fahrradfittnesszustand – gerade mal 4 mal hab ich’s aufs Mountainbike geschafft bevor die Tour losgeht, jeweils nur für kurze Ausfahren, mir ist etwas bange, dass das Unternehmen mangels Fitness und fehlender Oberschenkelmuskulatur zur Quälerei werden könnte.

Aber für Training ist es jetzt zu spät – um 17 Uhr treffen wir uns am Bahnhof in Innsbruck – als Wahlinnsbrucker habe ich die angenehmste Anreise; Kaum ist alles aus den Autos gepackt und die Räder zusammengeschraubt tritt das erste ernsthaft Problem auf: Kämpfis Scheibenbremsen wurden beim Transport beschädigt; eine Tour die insgesamt über 14000 Höhenmeter überwinden soll ohne funktionsfähige Bremsen zu starten erscheint uns nicht als ratsam und verbringen wir den Abend damit die verschiedenen Innsbrucker Fahrradläden nach passenden Ersatzteilen abzusuchen – kein leichtes unterfangen, aber schließlich finden wir einen Fahrradmechaniker der uns dabei hilft die Bremse wieder zum bremsen zu bringen.

Zu fortgeschrittener Stunde – es ist bereits sieben Uhr vorbei – brechen wir dann doch auf. Zum Glück ist nur „einrollen“ angesagt, die erste Etappe führt uns nur durchs Inntal und dann noch die 700 Höhenmeter hinauf nach Weerberg wo wir in einer Pension nächtigen wollen. Auch wenn wir in den abendlich angenehmen Temperaturen gut vorankommen schwitzte ich ganz gehörig und es doch schon fast halb elf Uhr, als wir die Pension, dem fast alleroberste Haus des Hügels ankommen – eigentlich war vorgesehen auf der Weidener Hütte zu übernachten, aber wegen Pächterwechsel und Renovierungsmaßnahmen sollte diese geschlossen sein – nicht zu unserem Nachteil, wie sich schnell herausstellen sollte, denn von den Wirtsleuten werden wir herzlich empfangen und genießen auf der Terrasse mit schönem Blick übers nächtliche Inntal ein hervorragendes Abendessen. So mancher spielt mit dem Gedanken an diesem wunderschönen Plätzchen doch gleich einen Pausentag einzulegen.

Tag 2: Entlang des Zillertaler Alpenhauptkamms zum Tuxer Joch --- Am nächsten Morgen brechen wir gegen halb zehn Uhr auf – eigentlich müssten wir noch mal gut 200 Höhenmeter auf der Straße abfahren um zum Eingang des Weerbergtales zu gelangen, aber auf einen Geheimtip des Wirts hin radeln und schieben wir über schmale Waldwanderwege mit geringem Höhenverlust zum Taleingang und dann über den Forstweg hinauf zur Weidener Hütte. Nach kurzer Mittagsrast auf der nun doch schon wieder geöffneten Hütte geht es weiter durch das Nafiger Tal hinauf zum Geiseljoch. Der gesamte Aufstieg lässt sich problemlos fahren, auch wenn ein großer Teil des Weges als Schiebestrecke ausgezeichnet ist. Landschaftlich ein herrlicher Übergang und dazu dieses Kaiserwetter! Am Joch angekommen gönnen wir uns nochmals eine kurze Rast ehe wir uns an die rassige Abfahrt in Richtung Hinterlahnersbach im Zillertal machen. Auf halber Strecke teilen wir die Gruppe auf: mit Kämpfi und Michl entscheide ich mich über das Eggalm-Schigebiet einige Extrahöhenmeter zu machen, so aber ein gutes Stück Strecke auf der Bundesstraße zu vermeiden. Die Entscheidung zahlt sich voll aus: Wir finden einen herrlichen Singletrail der uns bis nahe an den Aufstieg zum Tuxer Joch führt.

Jetzt gilt es noch geschmeidige 900 Höhenmeter zu überwinden – durch das Schigebiet auf steilen Kiesstraßen hinauf zum Tuxerjoch - Haus. Bis zur Bichlalm geht’s noch ganz gut, dort machen wir nochmals kurze Rast ehe jeder für sich selbst und in seinem Tempo zum finalen Anstieg aufbricht. Ich mache mich als letzter auf den Weg, fahre sehr langsam, aber das fehlende Training fordert seinen Preis – bald brennen die Oberschenkel, die Luft wir mir knapp. Der Weg wird immer steiler und zwingt mich schließlich zum absteigen uns schieben. Wie soll es denn die nächsten Tage mit mir weitergehen, wenn ich jetzt schon so auf dem Zahnfleisch daherkomme? Die Etappen werden ja nicht kürzer – es warten noch einige erheblich längere Anstiege, der Körper wird auch nicht frischer…

Bald überhole ich Frank, der auf einer Bank sitzt und Pause macht – ihm geht’s wohl nicht viel besser als mir. Nicht stehen bleiben, weiter, langsam; noch mal ein Stück radeln, dann wieder schieben. Bald darauf biege ich um eine Kurve und sehe das Ziel – weit oben, weit weg, sicher noch mal 300 hm. Von unten kann ich die ganze fehlende Wegstecke einsehen und weil ich von unten alles sehen kann könne die von oben das natürlich auch. Die meisten anderen aus unsere Gruppe sind schon angekommen und ich sehe sie vor der Hütte sitzen und auf uns herabschauen – wie im Kino muss es für die sein, mit einem Bier in der Hand vor der Hütte zu sitzen und mir zuzusehen wie ich mich in der Nachmittagshitze den Berg hochquäle. Ich will mir keine Blöße geben – nicht vor diesem Publikum. Ich beiße die Zähne zusammen, mobilisiere sämtliche Kraftreserven und wenig später bin auch ich oben, werde mit Cola und Bier empfangen, wieder aufgepeppt und kann nun meinerseits meinen Platz in der ersten Reihe einnehmen und zusehen wie sich Frank den Berg hochkämpft. Nach einiger Zeit erreicht auch er das Ziel und wie beschließen den Tag mit gutem Essen und gemütlichem beisammensitzen – die erste richtige Etappe ist geschafft: immerhin 2500 hm und 60 km stehen auf dem Tacho.

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