Weisshorn (4506m)

(verfasst von Bert_1 am So 21. Sep. 2008)

Anspruchsvolle Hochtour auf einen der schönsten Gipfel der Walliser Alpen

Oft wird das Weisshorn als einer der formschönsten Berge der Alpen, zum Teil gar der Welt bezeichnet. Ob dies der Fall ist sei dahingestellt, das ist Geschmacksache, aber egal welcher Rang, bestechend schön ist diese glänzend weiße Firnpyramide allemal. Mit 4506 m ist das Weisshorn einer der höchsten Berge des Wallis. Unter den Viertausendern der Alpen zählt es zu den am schwierigsten zu besteigenden Bergen – die üblichen Anstiege führen über die drei Grate, wobei der Ostgrat als der einfachste gilt. Mit einer ZS – Gesamtschwierigkeit (ziemlich schwierig) und einem Kletterschwierigkeitsgrad von III ist aber auch hier einiges an Können und vor allem an Kondition gefordert.

Zum ersten Mal ist die angesprochene Kondition schon beim Hüttenzustieg gefragt, als wir mittags bei strahlend blauem Himmel in Randa starten. Der Rucksack ist schwer und der steile Pfad bringt mich ordentlich zum schwitzen. Aber der Weg ist abwechslungsreich und landschaftlich schön, so dass die gut drei Stunden, die wir für die 1600 Höhenmeter benötigen recht schnell vergehen. Bevor wir den Nachmittag auf der gemütlichen Hütte genießen steigen wir noch ein Stück auf um den ersten Teil des Gipfelanstiegs, der ja in der Nacht zurückgelegt werden muss auszukundschaften.

Bereits um 2 Uhr morgens werden wir vom Hüttenwirt geweckt. Eine Stunde später treten wir hinaus in die sternenklare Nacht, steigen im Schein der Strinlampen hinauf in Richtung Ostgrat. Die Routenfindung ist in dem steilen, gerölldurchsetztem Schrofengelände nicht ganz einfach und so sind wir froh als endlich der anbrechende Tag die Wegfindung vereinfacht.

Als wir den Grat am so genannten Frühstücksplatz auf 3941 m erreichen sind wir schon geraume Zeit unterwegs. Nun beginnt das eigentliche Klettern. Über einige Felstürme oder Gendarmen geht es luftig hoch in Richtung Gipfel. Aber die schwierigen Stellen sind nur kurz und im guten Fels gut mit Haken abgesichert. Leider lässt uns das Wetter im Stich: eine dicht Wolkenschicht bringt uns um die Fernsicht, für die das Weisshorn berühmt ist, schützt uns aber auch vor den Tiefblicken in die Flanken, die auf beiden Seiten des Grates steil hinabfallen.

Bald liegt der Felsgrat hinter uns – aber die verbleibenden 400 Höhenmeter Firngrat haben es in sich, vor allem Kondition und Durchhaltevermögen ist nun gefragt. Immer öfter muss ich stehen bleiben und durchschnaufen. Doch völlig unvermittelt taucht plötzlich das Gipfelkreuz vor mir aus dem Nebel auf.

Hier ist es etwas windig und langsam wird mir kalt. So bin ich froh, dass keinem meiner Bergkameraden, die wenig später ankommen nach längerer Rast ist. Schließlich liegt auch noch ein langer Abstieg vor uns – fast die gleiche Zeit die wir herauf gebraucht haben müssen wir rechnen. Und als ich zurück auf der Weisshornhütte bin sind mehr als 12 Stunden seit dem morgentlichen Aufbruch vergangen. Hier gibt es erst mal eine Ausführliche Rast, aber irgendwann müssen wir wieder in die Bergschuhe.

Völlig unmotiviert machen wir uns an den Abstieg zurück ins Tal – für mich sind diese abendlichen Abstiege am Ende einer langen Tour die schlimmsten Momente einer Hochtour, wir sehr freue ich mich auf den Winter, wenn die Schi diese lästige Notwendigkeit sogar zum Genuss machen. Aber der Winter ist noch weit, der Abstieg irgendwann auch vorbei und dann überwiegt die Freude über eine gelungene Bergfahrt und über das Erreichen eines lange begehrten Gipfels.

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