Sportarten20.11.08
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Zuckerhütl 3505m(verfasst von Juliap. am Do 27. Okt. 2005)
Manchmal treibt die Natur mit einem, was sie will! ![]() Vor gut zwei Monaten, Mitte August, beschlossen Peter und ich den höchsten berg der Stubaier Alpen zu besteigen: das Zuckerhütl auf 3505m. Wir starteten schon zeitig am Morgen, um mit der ersten Gondel auf den Stubaier Gletscher zu kommen. Wir fuhren bis auf das so genannte Schaufeljoch auf ca. 3250m. dort angekommen hieß es nun erste einmal fast 700Hm bergab zu laufen, bis wir den Einstieg in unsere Tour erreichten. Der Abstieg war problemlos, da wir über den eine Piste hinunterrutschen konnten.
![]() Wenig später waren wir in der Senke angekommen, wo wir, nachdem wir einen kleinen Gletscherbach überquert hatten, mit dem Aufstieg über den Gletscher beginnen konnten. Es war unsere erste Gletschertour und wir hatten keinerlei Erfahrung mit dieser Materie. Peter ging vorsichtig voran. Wir folgten einer Spur, die wir im Schnee entdeckt hatten und von der wir dachten, dass sie uns sicher an unser Ziel bringen würde. Als wir schon fast das Pfaffenjoch erreicht hatten, bemerkten wir, dass sich die Wolken immer mehr verdichteten und ein Nebel aufzog. Langsam bekamen wir Angst, denn wir wussten, wenn uns der Nebel einholte, würden wir an diesem Berg festsitzen. Doch als wir auf der anderen Seite des Jochs eine Viererseilschaft sahen, die mit einem Bergführer unterwegs waren. Nach einer kurzen Bedenkzeit fassten wir neuen Mut und gingen weiter. Unser eigentlicher plan wäre es gewesen auf den wilden Pfaff zu gehen und von dort auf die Müllerhütte abzusteigen.
Wir folgten der Spur weiter über den Pfaffenferner und als wir die steile Eisflanke des Zückerhütls erblickten, dachten wir, dass uns nun nichts mehr davon abhalten könnte, unser Ziel zu erreichen.
![]() Doch plötzlich sank Peter mit seinem Stecken bis zu seiner Hand im Schnee ein und wir hörten, wie der Schnee unter uns in einen ziemlich großen Hohlraum rieselte. Uns stockte der Atem, denn wir wussten, dass vor uns eine gewaltige Gletscherspalte lag, die nur von einer dünnen Schneedecke überzogen war. Mit unseren Stecken versuchten wir die Schneedecke zu durchbrechen, um ertasten zu können, wie breit die Spalte tatsächlich war. Nachdem wir ihre ungefähren Dimensionen einschätzen konnten, sprangen wir mit einem Satz darüber.
![]() Wenn ich nur an den weiteren Verlauf unserer Tour denke, so läuft es mir ganz kalt über den Rücken. Als wir nur wenige Schritte weitergegangen waren, brach ich plötzlich mit einem Bein bis zur Hüfte ein. Als mich Peter schnell hinausgezogen hatte, starrten wir auf das loch im Schnee, durch welches man das tief blaue ewige Eis einer Spalte sehen konnte. Ich war fix und fertig. Noch nie hatte ich auf einem Berg so viel Angst wie auf diesem. Ich wünschte mir nur mehr heil hinunter zu kommen.
Das gipfelkreuz des Zuckerhütls war nun schon zum greifen nahe. Einzig eine Steileisflanke, welche ohne Steigeisen zu überwinden, unmöglich war, trennte uns vom höchsten Punkt der Stubaier Alpen.
Der Wilde Pfaff, der gegen das Zuckerhütl wie ein kleiner ungefährlicher Felshügel wirkt, stand unmittelbar vor uns. Wenn wir auf diesen Gipfel hinauf gekommen wären, dann hätten wir es geschafft. Doch leider endete der Albtraum noch nicht so schnell. Wie sich bald herausstellte, waren die letzten 10 Meter, die uns vom Fuße des Wilden Pfaffs trennten, unüberwindbar. Hier schien eine Spalte an der anderen zu sein. Bei jedem Schritt brach man mit den Stecken oder mit einem Bein ein. Wir waren mit unseren nerven am Ende. Als wir uns beruhigt hatten, trafen wir gemeinsam die Entscheidung, dass wir nicht weiter gehen konnten. Die einzige Alternative, was wir hatten, war umkehren. Schritt für Schritt tasteten wir uns den Weg zurück.
![]() Meine Knie waren weich wie Butter und in meinen Augen standen die Tränen. Vor der Spalte, über die wir beim hinweg gesprungen waren blieb ich stehen. Mein ganzer Körper war steif vor Angst. Peter, dessen herz selbst raste wie verrückt gab mir seine Hand, redete mir gut zu und half mir über den Abgrund. Als wir wieder beim Pfaffenjoch angekommen waren, trafen wir die Viererseilschaft. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf dem sicheren Joch mussten wir unsere Füße wieder auf den Schnee und das Eis des unberechenbaren Gletschers setzen. Beim Rückweg hielten wir uns nahe an den Felsen, wo wir nach 200Hm Abstieg auch einen markierten Weg fanden. Als wir endlich wieder sicheren und festen Boden unter unseren Füßen hatten, dankten wir Gott. Der restliche Abstieg und der darauf folgende Gegenanstieg von 700Hm brachte mich ans Ende meiner Kräfte. Der einzige Lichtblick dieser Tour wurde uns geschenkt, als wir wieder am Schaufeljoch angekommen waren. Alle Gondeln der Bergbahn waren schon eingefahren. Alle, bis auf eine. Der Bahnangestellte war uns Gott sei dank gut gesonnen und nahm uns mit der letzten Gondel mit ins Tal.
![]() Heute bin ich noch immer dankbar, dass wir diese Tour außer einem ordentlichen Sonnenbrand, heil überstanden haben.
Text: Julia P. Fotos: Peter L.
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