Adriatic Sailing Week 2005

(verfasst von martin am Mi 1. Jun. 2005)

Am Donnerstag dem 28. April war es soweit. Meine Brüder Christian & Michael sowie Markus, Clemens, Christian E. und ich kamen von allen Ecken Österreichs mit Bahn, Bus und Auto nach Triest. Hier sollte unser Projekt, nämlich die Teilnahme an der "Adriatic Sailing Week 2005" beginnen!

Im Hafen von Muggia (in der Bucht von Triest) übernahmen wir unser Boot, eine von insgesamt 12 Solaris 36, mit dem wir in den nächsten 10 Tagen viel Spaß & Freude, aber auch viel Ärger erleben sollten. Dass die Solaris 36 nicht gerade ein Kinderspielzeug ist, beweisen die technischen Daten: Länge: 11m, Breite: 3,60m, Tiefgang: 2,30m, Gesamtgewicht: 3400kg, Großsegel: 48m2, Vorsegel: 37m2, Gennaker: 150m2; Mast, Baum, Bugsprit usw. natürlich alles aus Carbon – versteht sich ja von selbst. Alle 12 Rennmaschinen mussten bis spätestens Sonntag Abend im ca. 150 sm entfernten Murter sein, denn dort sollte am Montag die Adriatic Sailing Week 2005 starten.

Da wir uns am Sonntag noch mit anderen Solaris vergleichen wollten, hatten wir uns den Samstag als Ankunftstag in Murter als Ziel gesteckt. Da wir aber erst am Donnerstag Abends aus Triest auslaufen konnten, mussten wir diese Distanz also in 2 Tagen bewältigen – dazu kam noch, dass bis Samstag Mittag der Wind alles andere als gut war. So mussten wir anfangs relativ viel mit dem Motor in Richtung Süden tuckern. Am Samstag Vormittag glaubten wir aufgrund der Windlage schon fast nicht mehr, dass wir unser Ziel Murter bis Samstag Abend erreichen könnten, doch auf einmal kam ein schöner Wind von hinten auf – Gennaker rauf und los gings. Endlich konnten wir unser Boot auskosten und da wir den ganzen Nachmittag mit 10-12 Knoten Bootsspeed (bei nur 3-4 Bft) unserem Ziel näherten, kamen wir schlussendlich doch noch vor dem Einbruch der Dunkelheit in Murter an. Wie geplant übten wir am Sonntag noch jede Menge Manöver und verglichen uns mit anderen Solaris auf dem Wasser. Am Abend gab es dann das Welcome Dinner mit Begrüßung der Crews im Festzelt direkt im Hafen in Murter.

1. Wettfahrt (Murter - Biograd): Endlich gings los! Nach dem morgendlichen Skipper Breafing, bei dem der Kurs, Wetter, uvm. besprochen wird, liefen wir bei Traumwetter zur 1. Wettfahrt aus. Leider war der Wind nur sehr sehr schwach und so mussten wir am Wasser noch längere Zeit auf den Start warten. Doch dann war es endlich soweit. Startschuss! Kurz darauf: Einzelrückruf - 3 Schiffe waren über der Linie. Wir waren uns nicht sicher, ob wir nicht auch unter den Frühstartern waren. Doch es war schon zu spät – wenn wir zurückfahren werden wir letzter, also nahmen wir das Risiko auf uns und konzentrierten uns auf die Startkreuz – und dies hatte Erfolg. Nach der kurzen Startkreuz gingen wir als 1. um die ersten Bahnmarke - Wahnsinn!!! Im vornhinein hatten wir uns Plätze im Mittelfeld erträumt und jetzt sind wir erster! Leider hielt die Freude nicht allzu lang an. Mit der Zeit fuhr uns das ein oder andere Boot am Gennakerkurs in Luv oder Lee durch. Somit wurden wir schlussendlich aber noch immer glücklicher 4. In Biograd wurden wir am Abend wieder bestens im Festzelt versorgt, was nach dem sehr heißen und windschwachen, aber trotzdem sehr anstrengenden Tag aber auch von Nöten war…

2. Wettfahrt (Biograd - Piskera): Die 2. Wettfahrt segelten wir bei relativ konstantem Leichtwind von Biograd aus in die Kornaten. Nach sehr schlechtem Start segelten wir uns von ganz hinten schlussendlich auf den 3. Platz vor - das wird ja immer besser! In der wundervollen Marina bekamen wir super Essen gegrillt, und bei Bier und Wein ließen wir den schönen und den für uns sehr erfolgreichen Tag wieder ausklingen.

3. Wettfahrt: (Piskera - Sibenik): Der Start war wieder ähnlich wie am Vortag – sehr schlecht. Doch bald holten wir wieder Platz um Platz auf und waren auf einmal schon wieder am 3. dran. Doch auf einmal ließ der Wind komplett aus. Die beiden Führenden, die einen größeren Abstand zu uns hatten, segelten mit dem letzten Windstreifen problemlos ins Ziel. Auch der 3. direkt 20m vor uns, erwischte den allerletzten Hauch dieses Windstreifens noch, und bei uns herrschte nichts als Flaute. Ca. 3h tümpelten wir mit 0,0 Knoten mitten zwischen den Inseln. Die restlichen Solaris hinter uns erkannten dies und wählten den Weg direkt in Luv einer Insel. Mit der lokalen Thermik der Insel konnten sich so alle bis auf 1en von uns absetzen. Wir ärgerten uns zu Tode. Irgendwie waren wir dann nach 3h auch zur Insel getrieben und hatten nun auch wieder Druck in den Segel. So kamen wir als Vorletzter unserer Klasse über die Ziellinie. Für alle anderen Klassen wurde diese Wettfahrt abgebrochen, doch da der Sieger der Klasse Solaris mit dem letzten Windstrich ins Ziel kamen, war diese Option für uns nicht mehr möglich - Schade! Völlig demotiviert gingen wir in Sibenik noch essen, denn heute Abend gab es seitens Blu Balu kein Programm.

4. Wettfahrt: (Sibenik - Murter): Letzte Wettfahrt. Flaute beim Auslaufen, aber der Wetterbericht hat Wind vorausgesagt. Nach ca. 1h warten an der Startlinie kam dann endlich Wind, der immer mehr wurde. Als wir starteten frischte er auf ca. 5 Bft. auf. Nachdem wir schon beim Start der anderen Klassen (heute starteten wir als letzte Klasse, da wir nur noch 1e Wettfahrt brauchten und alle anderen Klassen noch 2) auf das kleine Vorsegel gewechselt haben, entschlossen wir uns 1 Minute vor dem Start auch noch das Groß zu reffen. Durch ein perfektes Manöver kamen wir dazu auch noch mit einem Nullstart über die Linie. Doch die Freude trübte bald ein. Irgendwas stimmte nicht – auf der Startkreuz fuhren uns die anderen Schiffe mit mind. 10° mehr Höhe am Wind nur so um die Ohren. So waren wir nach ein paar Minuten an der Luvmarke nur noch Vorletzter des Feldes. Da der Halbwindschenkel nur sehr kurz war und danach ein sehr langer am Wind folgte, waren wir zu einer grundsätzlichen Trimmänderung gezwungen - und das so schnell wie möglich. Nachdem Markus mit letztem Einsatz die Wanten gespannt hatte (und den Schraubenschlüssel den Fischen überließ), lief es gleich ganz anders. Der mittlerweile recht große Abstand zum Feld verkleinerte sich auf dem sehr sehr langen am Wind Kurs immer mehr und kurz vor der Nordeinfahrt nach Murter waren wir schon 2. und wir holten auf den 1. immer mehr auf, doch auch Luis Gazzari mit seiner Crew lag uns direkt im Nacken.

Nachdem wir den Gennaker gesetzt hatten, war es dann allerdings so weit – irgendwo musste ja der Hund begraben sein. Das Fockfall war mit dem Gennakerfall irgendwie verwickelt, auf jeden Fall konnten wir sie nicht mehr bergen, aber auch nicht mehr ganz durchsetzen. In wenigen Sekunden zog ich mir den Klettergurt an und eine Minute später war ich schon in ca. 15 Meter Höhe, fast schon am Masttop - bei mehr als 8 Knoten Fahrt unter Gennaker - da wird\'s einem schon mulmelig... . Ich zog irgendwie den Schnappschäkel auf und schon flutschte die Fock nach unten aufs Deck und ich folgte auch wieder so schnell wie möglich nach unten. Trotz des super Manövers lief uns Luis Gazzari in Luv drüber. Jetzt waren wir also \"nur mehr\" dritter (für den gesamt 3. Platz brauchten wir heute einen 2. in der Wettfahrt) - aber verloren war noch nichts. Auf der Zielkreuz frischte der Wind nocheinmal kräftig auf und mit letztem Einsatz und offenen Händen konnten wir noch den 2. Platz in der Wettfahrt erkämpfen, was zugleich bedeutete, dass wir im Endergebnis 3. sind!!!! Nach der 50sm Wettfahrt (fast alles am Wind) und im Schnitt ca. 5 Bft. genehmigten wir uns eine Dusche und öffneten bald die ersten Weinflaschen an Bord bevor es dann zur Siegerehrung mit großem Abschlussdinner ging.


Alles in allem hat uns diese Woche super gefallen - das Heimfahren bei Bora war ganz schön anstrengend - über 500 sm in 10 Tagen bei großteils Schwachwind ist auch nicht schlecht - unser Ergebnis ist super - und wir haben sehr schöne Tage in der Adria erlebt.

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