Lacheter Spitze (2541m)

(verfasst von brezen am Di 29. Jan. 2008)

Einsames Ziel im Karwendel

Die Diskussion über das nächste Schitourenziel hat sich dieses Mal sehr lange hin gezogen – es ist zwar ein super Bergwetter angesagt, aber der Lawinenlagebericht ist noch auf Stufe drei und wird sich eventuell etwas entspannter in den Nordalpen entwickeln. Schließlich einigen wir uns auf die Lachetkarspitze (2541 m), eine Felsspitze über einem herrlichen und einsamen Kar im Herzen des Karwendels, gleich neben der Pleisen Spitze gelegen.

Um zwanzig vor sieben, als Lukas uns vor der Haustür abholt, steh ich noch etwas neben mir, so frühes Aufstehen einfach nicht mehr gewöhnt. Wie soll das erst werden bei den richtigen Frühjahrstouren, wenn man um zwei aufstehen muss? Ich will gar nicht dran denken. Wir düsen nach Scharnitz und biegen ins Isartal ein, in dem wir bis zum Gasthof Schönwieshof fahren, wo man als Gast (der wir später sicher werden) parken darf.

Es ist kalt hier, viel kälter als in Innsbruck. Aber wir laufen schnell los, und bald wird’s warm. Der Weg verläuft erst mal bis zur Pleisen Hütte auf einer Forststrasse durch den Wald. Die Pleisen Hütte, auf 1757 Meter gelegen, ist eine schöne, aussichtsreiche private Hütte, die gerade an den Wochenenden auch im Winter geöffnet hat und dann sehr gut besucht ist. Wir brauchen bis hier ca. 1,5 Stunden, und es wird langsam richtig warm. Erst haben sich die ersten Gipfel oben rot verfärbt, dann haben schon einzelne Sonnenstrahlen durch den Wald geblitzt, und jetzt stehen wir hier auf der freien Fläche vor der Hütte, genießen die warme Sonne und essen einen Müsliriegel.

Der weitere Weg verläuft jetzt über die Latschenhänge östlich der Hütte, immer leicht berauf queren wir unter den Felsen der Pleisen Spitze. Schließlich kommen wir in das Mitterkar, ein unberührter abgelegener Felskessel. Erst eher flach, dann immer steiler geht es aufwärts zur Felspyramide der Lachetkar Spitze, die im Karschluss thront. Der Schnee ist noch sehr harschig und ich lege lieber mal meine Harscheisen an. Ob das wohl firnig wird nachher? Ich kann es mir noch nicht so recht vorstellen.

Nach einem anstrengenden letzten Hang haben wir die Scharte unter dem Gipfel erreicht. Hier fellen wir ab und gehen zu Fuß eine steile Schneerinne weiter, in der ein schon etwas zerfetztes Seil zum Festhalten hängt. Weiter geht es mit leichter Kletterei und über steile Schneerinnen zum Gipfel. Trittsicher und nicht zu ausgepumpt vom Anstieg sollte man schon sein.

Und der grandiose Ausblick belohnt für die Plackerei. Das zerklüftete Karwendel liegt in Ketten vor uns, nach Norden sieht man in die bayerischen Alpen und das Flachland, nach Süden glitzern die Gletscher der Stubaier und Ötztaler Alpen.

Einige Zeit sitzen wir noch in der Sonne und warten auf den Firn. Und er kommt. Ein Abfahrtsgenuss bis zur Hütte, dann etwas materialaufreibende Waldabfahrt. Und danach das wohlverdiente Weißbier auf der Sonnenterasse vom Schönwieshof.

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