Preikestolen (Norwegen)

(verfasst von brezen am Do 8. Nov. 2007)

Lust auf 600 Meter Luft unter den Sohlen?

Der Preikestolen ist Norwegens Touristenattraktion Nummer 1. Ein natürliches Felsplateau bietet einen atemberaubenden Blick über den Lysefjord. Am Ende des Plateaus allerdings geht es rund 600 Meter senkrecht in die Tiefe. Es führt ein befestigter Wanderweg vom Parkplatz bei der Preikestolhytta zum Felsen, der ca. 1- 2 Stunden dauert. Oft ist der Platz völlig überlaufen und man traut sich fast nicht mehr an den Rand.

Aber ein genialer Tipp: Erst abends kommen und den Sonnenuntergang so gut wie allein genießen. Keine anderen Leute, die einem diesen unglaublichen Ausblick verstellen, und die sich den ganzen Tag über hier oben gegenseitig auf die Füße steigen. Und wer will und sich traut, kann dann auch noch mit Schlafsack und Isomatte die Nacht auf dem Felsen verbringen- ein außergewöhnliches Erlebnis. Morgens wacht man auf und sieht die Sonne direkt über dem Ende des Lysefjords aufgehen.

Wir haben abends noch gemütlich gegrillt und ein Bier dazu getrunken- aber nur eins, denn wer will schon über die Kante stolpern? Plätze um ein Zelt aufzustellen sind übrigens auch vorhanden, vor allem wenn man immer am Abgrund entlang wandert, noch ca. 200 Höhenmeter fjordauswärts. Hier ist man definitiv ganz allein und hat wahrscheinlich sogar noch eine besserer Sicht- und keine schreienden Touris.

Am nächsten Tag sind wir auf dem Wanderweg dem Fjord entlang nach Osten gefolgt. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, man durchwandert lichte Laubwälder, Moore, trifft auf einsame Seen und dunklen Nadelwald. Immer wieder öffnet sich die Landschaft und man sieht über die Kante hinab auf das Meer, das tief unter einem glitzert.

Unsere nächste Nacht haben wir auf einer Lichtung neben einer schönen Hütte verbracht, die allerdings komplett verlassen war. Wir sind ganz früh aufgestanden, und haben wieder einen herrlichen Sonnenaufgang erlebt. Diesen Tag sind wir lange ganz nah am Meer entlang gewandert und haben Seehunde und Wale gesehen. Wieder haben wir den ganzen Tag nur einige Einheimische getroffen.

Der Wanderweg geht noch mehrere Etappen weiter, bei denen man auch die kleine Fähre benutzen kann, die im Lysefjord täglich verkehrt. Die letzte Etappe ist dann der Kjerag, auch eine Aussichtskanzel, allerdings mit 1000 Meter Fallhöhe. Am Kjerag wird auch immer wieder geklettert, es gibt alpine Routen ab 6 allerdings mit über einem Kilometer senkrechtem Fels und das verlangt schon einiges an Ausdauer. Außerdem ist dieser Fels auch fürs Basejumpen berühmt und berüchtigt.

Und so ein Abgrund hat schon etwas Magisches an sich: Er zieht einen an. Und wenn man seine anfängliche Angst einmal überwunden hat und es sich traut, die Füße über die Kante zu hängen und in die gähnende Tiefe zu blicken- dann hat man ein ganz starkes Kribbeln im Bauch und fast das Gefühl, man kann fliegen. Bloß nicht ausprobieren, bitte.

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