Dent Blanche (4357 m)

(verfasst von Bert_1 am So 21. Sep. 2008)

Weniger bekannter aber nicht weniger schön – Hochtour auf einen der „großen“ Walliser Viertausender

Die Dent Blanche steht eindeutig im Schatten seines prominenten Nachbarn, des Matterhorns. Folglich verirren sich auch nur relativ wenige Bergsteiger an diesen wilden Viertausender. Schon der Hüttenanstieg ist ein alpines Abenteuer. 1700 Höhenmeter sind vom beschaulichen Dörfchen Salay ganz am Ende des Vall´d Herens zurückzulegen.

Schon die Anfahrt mit dem Auto in das Hochtal, das von Sion nach Süden führt versetzt in eine andere Welt. Da ist nichts vom Rummel des dicht besiedelten Mattertals zwei Täler weiter, die wenigen Dörfer scheinen in intakter Natur zu liegen. Der Aufstieg beginnt mit einem schönen Wanderweg, der sich durch die letzten Bäume zum Ende Talkessel von Ferpecle hinzieht, dann geht es steil bergauf zur Bricolahütte.

Als wir hier oben ankommen drücken die Wolken und der Nebel von den Bergkämmen herunter und tauchen die Landschaft in eine unheimliche Stimmung. Noch nicht mal die Hälfte des Wegs liegt hinter uns. Der Pfad endet in ausgeprägten Moränenfeldern. Einzelne Steinmänner und Stangen, die im Nebel erst gefunden werden müssen markieren den Weiterweg. Dann ist es nicht mehr weit. Wenige hundert Meter über den Gletscher und die kleine aber sehr gemütliche Dent Blance Hütte auf schon 3507 m Meereshöhe ist erreicht.

Früh am nächsten Morgen starten wir in den Nebel. Vom nächtlichen Schneefall sind die Felsen von einer dünnen Schneeschicht überzuckert. Gleich hinter der Hütte geht es richtig zur Sache: auf einem ausgesetzten Felsgrat steigen wir nach oben zum Südgrat. Hier geht es zunächst über Firn, dann im Fels weiter. Der Schnee macht hier selbst das einfache Gelände anspruchsvoll, volle Konzentration ist gefragt.

Mittlerweile ist es hell, der Nebel hat sich verzogen, einmalig ist die Stimmung mit den benachbarten Viertausendern von Matterhorn und Dent d´Herens in der Morgensonne. Dann beginnen die eigentlichen Kletterstellen, schneebedeckt eine echte Herausforderung, leichter Fels wird zum kombinierten Gelände, erinnert mich an manche Mixedroute in Schottland.

Aber das Klettern macht Spaß, abgesehen von zwei anderen Seilschaften scheinen wir die einzigen am Berg zu sein. Nach insgesamt 5 Stunden haben wir auch die letzten Meter – wieder auf einem schmalen Schneegrat zum Gipfel zurückgelegt. Nur kurz genießen wir Aussicht und Gipfelsieg, dann beginnt der Abstieg.

Abseilen, abklettern, stapfen. Auf halbem Weg treffen wir auf eine ganze Reihe anderer Kletterer, die wohl einen späteren Aufbruch gewählt haben um so dem Fels Zeit zu geben um abzutrockenen. Das Verursacht etwas Stau am Grat, aber wir kommen gut vorbei und sind wenig später am Fuß des Grates angelangt. Dann ist da noch der lange Abstieg von der Hütte ins Tal. Aber in der Freude über den herrlichen Bergtag ist auch diese Mühe zu ertragen.

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