Versuch am Matterhorn (4488m)

(verfasst von Bert_1 am So 21. Sep. 2008)

Versuch am Zermatter Berghighlight

Selbst jedem Nicht-Bergsteiger ist es ein Begriff, fast jeder würde diesen Berg auf einem Foto erkennen. Die fantastische Form, als markante Felspyramide, die mit den vier messerscharfen Graten, die steil zum Gipfel aufsteigen über Zermatt thront, die Mühten, Tragödien und Rekorde die sich um die Geschichte dieses Berges winden oder einfach der Reiz auf dem wohl bekanntesten Berg der Welt gestanden zu haben, lockt die Bergsteiger aus aller Herren Länder an und macht das Matterhorn zum vielleicht begehrtesten Gipfel der Welt.

Zumindestens zu einem der meist besuchtesten, das wird schnell klar, wenn man auf die Hörnlihütte steigt, dem Stützpunkt am Fuß des Hörnligrates, der als einfachster Anstieg aufs Matterhorn und damit als Normalweg gilt. Fast über die ganze Saison, von Juli bis September ist die Hütte, die mit ihren über 150 Plätzen nichts mehr mit Gemütlichkeit und Bergidylle zu tun hat, ausgebucht. Bergführer bringen täglich selbst die unerfahrensten Wanderer zum Gipfel, gegen ein fürstliches Honorar, das versteht sich. Fast 400 Euro sind für eine geführte Besteigung des Matterhorns auf den Tisch zu legen. Dazu kommen die Wucherpreise auf der Hörnlihütte, im Vergleich zu anderen Berghütten ist es hier gut ein Drittel teurer – Ruhm zahlt sich eben aus.

Auch wir können der Anziehungskraft des Berges nicht widerstehen. Der Wetterbericht prognostiziert, dass das gute Wetter bis morgen nachmittags halten soll, dann ist mit heftigen Gewittern zu rechnen. Auch wenn wir erst gestern von der anstrengenden Tour am Weisshorn zurückgekommen sind ist keine Zeit zu verlieren, wenn wir eine Gipfelchance haben wollen. Wir verzichteten auf die Verkürzung des Aufstiegs durch die Seilbahn zum Schwarzsee und machen uns direkt von Zermatt aus auf den Weg.

Leider ist der Aufstieg nicht sonderlich schön, zunächst geht es über die total überlaufenen Touristenwege im Nahbereich von Zermatt ins Zmutttal, dann auf wenig ansehentlichen Ziehwegen der Schipisten des Zermatter Schigebiets und schließlich über eine steile, trostlose Geröllhalde zum Rücken, auf dessen Ende die Hörnlihütte steht. Gut 1650 Höhenmeter sind es, die bis hierher zu bewältigen sind.

Oben angekommen wollen wir uns nochmals beim Wetterbericht vergewissern, rufen deshalb in Innbruck an um eine genaue Prognose zu bekommen und die fällt schlecht aus: bereits am Vormittag ist mit Gewittern zu rechnen, kein Tag für eine Hochtour. Die Entscheidung für dieses Mal auf den Gipfel zu verzichten ist schnell gefallen, wenigstens die wenigen Hundert Meter bis zum Beginn der eigentlichen Kletterei können wir am Abend noch hochklettern. Wenigstens haben wir jetzt den Weg erkundschaftet – fürs nächste Mal.

Den Rest des Abends verbringen wir damit die ganz eigene Atmosphäre der Hütte in uns aufzusaugen, erstaunlich wer so alles aufs Matterhorn steigen will, manch einer bringt es nicht fertig sich selbständig seien Ausrüstung anzulegen. Viele überschätzen sich an diesem Berg – den Beweis liefert der Schein der Stirnlampen, die bis spät in der Nacht vom Grat des Matterhorns herunter leuchten und von Bergsteigern zeugen, die es nicht im Tageslicht zurückgeschafft haben.

Als wir spät am nächsten Morgen aus den Federn kriechen verhöhnt uns blauer Himmel und Sonnenschein, da ist die Enttäuschung natürlich groß. Etwas frustriert steigen wir ab, hoffen fast, dass es doch endlich zu Regnen anfangen wolle, aber bis zur Mittagszeit hält das Wetter. Das hätte wohl gereicht für den Gipfel. Aber dann – wir sind längst im Tal - geht es plötzlich schnell. Innerhalb weniger Minuten ist der Gipfel in Wolken und ein Gewitter entlädt sich. Beweis dafür wie unberechenbar das Wetter im Hochgebirge doch oft sein kann. Vielleicht war es doch die richtige Entscheidung zu verzichten… wir kommen wieder.

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