Piz Plata (3392m)

(verfasst von Bert_1 am Mo 7. Apr. 2008)

Keine Aussicht auf dem Aussichtsgipfel am Julierpass

Am Abend gibt es Schweinebraten. Und wie´s bei uns eigentlich immer so geht, wenn eine Schweinebratenorgie mit so vielen Leuten, wir sind fast 15, steigt wird auch das eine oder andere Bierchen getrunken. Natürlich diskutieren wir, wie der morgigen Sonntag schifaherisch wohl am günstigsten zu gestalten ist. Da gibt es verschiedene Meinungen und Grüppchen, vom Pistenschifahren über die kurze Genussschitour bis hin zur langen, alpinen Unternehmung.

Es ist schon ewig her, dass ich das letzte mal eine richtige Schitour gemacht hatte und so schließe ich mich schließlich der Gruppe um Arne an, die wegen des besseren Wetters im Süden an den Julierpass fahren und dort auf den Piz Plata steigen wollen. Der Piz Plata ist eine lange Schitour. Fast 2000 Höhenmeter sind es vom Bergdorf Muelgens am Julierpass auf den knapp 3400 m hohen Gipfel.

Nachteil der Tour ist, dass ein früher Start unabdingbar ist. So kommt nicht viel Schlaf zusammen, als mich der Wecker um halb fünf Uhr aus dem Tiefschlaf reißt. Eine Autostunde später sind wir am Ausgangspunkt der Tour, in Muelgens angelangt. In der Morgendämmerung steigen wir zunächst über einen flachen Forstweg auf eine malerische Ansammlung alter Alphütten.

Das Wetter hat mit dem, was uns der Wetterbericht versprochen hatte gar nichts zu tun – am Morgen Restwolken hieß es da, hier aber ist alles mit tief hängenden Wolken verhangen und es schneit in dicken Flocken. Wir sind schon eineinhalb Stunden unterwegs, aber der flache Teil der Tour ist noch nicht geschafft. Durch ein schmales Gletschertal steigen wir auf den nicht sichtbaren Felsgipfel des Plata zu.

Wir sind alleine unterwegs und müssen deshalb spuren. Endlich zweigt Arne nach rechts ab und von nun an geht es zunehmend steil nach oben. Ich fühle mich nicht sonderlich fit, kann nicht mit dem Tempo der anderen mithalten. Aber ich beiße die Zähne zusammen und auch wenn es anstrengt komme ich doch stetig höher. Die seltenen blauen Flecken am wolkenverhangenen Himmel können sich nicht durchsetzten, eher noch scheint die Bewölkung dichter zu werden. Nach wie vor schneit es.

Auch als wir am Fuß des Gipfelaufbaus angelangt sind hat sich daran nichts geändert. Hier bleiben die Schi zurück und wir legen die verbleibenden 200 Höhenmeter zu Fuß zurück. Im teils hüfttiefen Schnee durch die steile, felsdurchsetzte Gipfelrinne nach oben zu spuren kostet nochmals ordentlich Kraft. Aber schließlich, nach insgesamt fast fünfeinhalb Stunden, ist es geschafft wir stehen am höchsten Punkt dieses vielgerühmten Aussichtsbergs. Einmalig soll der Blick in die Bernina und nach Westen, bis ins Berner Oberland und ins Wallis sein. Aber wir stehen hier und sehen nichts.

So gibt es denn auch keinen Grund an diesem windigen Ort länger zu verweilen und wir steigen wieder ab. Wenigstens für die Abfahrt reichen die Sichtverhältnisse aus, um nicht völlig ins Nichts zu fahren, und auf den jungfräulichen Hängen findet sich noch guter, lockerer Pulverschnee. Als wir unten auf der Alp ankommen reisst es noch mal kurz auf und wir können wenigstens von unten den beeindruckenden Felsgipfel sehen, auf dem wir kurz vorher gestanden hatten.

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