Sportarten30.11.08
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Jakobsweg(written by stephy on Thu 21. Apr. 2005)
Im Sommer 2004 reisten mein Freund und ich zu Fuß und auf dem Mountainbike über 800 km quer durch Spanien. ![]() Der Jakobsweg ist der einzige noch bestehende Pilgerweg Europas. Ziel ist das Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela, der Ursprung liegt in Polen, und seine Verästelungen ziehen sich durch ganz Europa, auch durch Tirol. Die Pilgerschaft begann im 9. Jh. n. Chr. - 813 wurde das Apostelgrab entdeckt und die Legende, dass Jakob in derSchlacht von Clavijo erschien und den Christen zum Sieg über die Mauren verhalf, trug dem Jakobsweg noch mehr Popularität ein.
![]() Zwischen 11. und 15. Jh. erlebte der Weg seine Blüte- zeit. Straßen, Herbergen und Klöster wurden errichtet. Die Wallfahrten brachten den Königreichen Nordspaniens einen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher zur Wiedereroberung ganz Spaniens durch die Christen, führte. Danach verebbte die Pilgerbegeisterung, der Weg geriet in Vergessenheit. Die Erhebung der Stadt Santiago und der beiden Hauptwege zum Weltkulturerbe durch die UNESCO brachte eine Wiederbelebung der Pilgerschaft.
![]() Mir kam die Idee in der Schule während einer Spanischstunde kurz vor meiner Matura. Der Gedanke, auf diesem Weg quer durch Spanien zu gehen, ließ mich nicht los. Es schien mir ideal, so das Land und seine Menschen kennenzulernen, Spanisch zu üben und einfach einmal eine Zeit lang über nichts nachdenken zu müssen. Überdies stellte der fast 900 km lange Weg eine beträchtliche sportliche Herausforderung dar. Mein Freund Lukas war dabei.
![]() Bevor wir den Weg antraten, ließen wir uns in der Jakobsgesellschaft in Innsbruck einen Pilgerausweis ausstellen, der dazu befugte, in Pilgerherbergen zu nächtigen. Das und das Packen eines möglichst leichten Rucksacks (er wurde dann doch 10 kg schwer) waren die Vorbereitungen. Mit Zug und Bus kamen wir nach Saint-Jean-Pie-de-Port, einem kleinen Ort im französischen Baskenland. Er ist der traditionelle Ausgangspunkt des Camino Francés, des Hauptweges.
![]() Die erste Etappe war die Pyrenäenüberquerung, die uns schon einiges abverlangte. Dann führte uns der Weg durch Wälder, malerische Städtchen, schöne Ebenen. (Mit den Ebenen kamen aber die Blasen, die uns nicht mehr verließen.) Natürlich, Spanien ist ein industriali- siertes Land, auch auf dem Jakobsweg entgingen wir den Autobahnen, Fabriken und Großstädten nicht. Wir übernachteten meiste in Pilgerherbergen, die uns oft gratis oder gegen freiwillige Spenden offenstanden.
![]() Die Herbergen waren teils einfach, teils fast luxuriös. Sie waren immer voll, was wohl daran lag, dass wir mit 2004 das Heilige Jahr erwiischt hatten.(Tipp: Wer sich nach Einsamkeit sehnt, sollte einen anderen Weg wählen, z.B. den Küstenweg.) Wenn uns nicht der Sinn nach vollen Schlafräumen stand, bauten wir unser Zelt auf, was niemanden zu stören schien. Das Essen war vor allem in den Herbergen günstig, sonst sprang der Gaskocher ein.
![]() Nach rund 500 km merkten wir, dass wir uns zu viel vorgenommen hatten. Die Zeit drängte, die Rückfahrt war schon gebucht und die Uni wartete. Um unser Ziel rechtzeitig zu erreichen, mussten wir an die 30 km täglich marschieren. Wir begannen die Biker zu beneiden, die auf der ebenen Durststrecke zwischen Burgos und León heiter an uns vorbeiradelten. In León schließlich fassten wir einen Entschluss: Wir wollten uns ein billiges gebrauchtes Fahrrad kaufen und damit den Weg fortsetzen.
![]() Doch das war leichter gesagt als getan, denn die Spanier sind nicht annährend so radfahrfreudig wie die Österreicher. Wir klapperten sämtliche Fahradläden ab, aber unser Unterfangen schien aussichtslos. Man erklärte, dass keine gebrauchten Räder verkauft würden oder dass sich im Sommer niemand von seinem Rad trenne. Wir waren nahe am Aufgeben, als wir in einem riesigen Supermarkt erschwingliche Mountainbikes entdeckten und zugriffen. (Sie leisten bis heute gute Dienste.)
![]() Jetzt begannen wir, richtig Urlaub zu machen. Obwohl wir nun zum gebirgigsten Stück des Weges gelangten, kamen wir fünfmal so schnell voran wie vorher und konnten die Landschaft, die Kirchen und die wunderschönen Örtchen so richtig genießen. Trotzdem war es ein unbeschreibliches Gefühl, als wir endlich in Santiago ankamen. Das Gefühl, endlich am Ziel zu sein, von dem ich mehr als einmal gedacht habe, wir würden es nie erreichen. Und außerdem, 800 km sind einfach genug!
So schön Santiago auch war, am besten in Erinnerung sind die mit den Menschen, die wir auf dem Weg trafen:
Maria LuÃsa zum Beispiel, eine alte Dame aus Pamplona, die leidenschaftliche Münzsammlerin, die die Welt auf ihre eigene Weise kennenlernt: Tag für Tag sitzt sie an der Plaza del Castillo in Pamplona und plaudert mit Pilgern und Touristen – so kommt die Welt zu ihr und nicht umgekehrt.
Joe, unser Landsmann, der Schriftsteller, für den der Jakobsweg eine Inspiration darstellt, und der beim Pilgern die Muse zum Schreiben findet. Er begleitet uns, liest uns vor, philosohiert und diskutiert mit uns, jodelt.
Und schließlich der junge Román, der alle Pilger nach seinem Mädel fragt, denn zu spät ist ihm eingefallen, dass sie doch die Richtige war. Ob er sie gefunden hat? Wir werden es wohl nie erfahren.
Wenn ich an all das zurückdenke, muss ich sagen, dass dieser Monat auf dem Jakobsweg wohl einer der reichsten an Erfahrungen und Begegnungen war. Und natürlich an verbrannten Kalorien. :)
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