Sportarten30.11.08
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Zuckerhütl (3507m)(verfasst von brezen am Mi 29. Mär. 2006)
Zweitausend Höhenmeter in zwei Stunden? ![]() Das Zuckerhütl, mit 3.507 Metern die höchste Erhebung der Stubaier Alpen, ist durch die Lifterschließung mit den Stubaier Gletscherbahnen zu einer Halbtages- Skitour geworden, die allerdings trotz der leichten Erreichbarkeit nicht unterschätzt werden sollte. Man bewegt sich immerhin in hochalpinem Gelände, und ist auch in Sichtweite des Skigebiets doch ganz auf sich allein gestellt. Die Zufahrt erfolgt über die alte Brennerstrasse oder die Brennerautobahn (Kostenpunkt 2,50 Euro) und das Stubaital über die Gletscherstrasse bis zum Talschluss bei den Parkplätzen des Gletscherskigebietes. Wer die Tour mit Liftunterstützung unternehmen will, sollte die erste Gondel um 8.30 Uhr nehmen, damit man bei steigenden Temperaturen frühzeitig wieder zurück ist. Aber die Tour, früher eine klassische Frühjahrstour, wird inzwischen auch immer öfter schon im Hochwinter unternommen.
![]() Mit der Eisgratbahn lässt man sich von ca. 1750 Metern Höhe auf knapp 2900 Meter tragen. Mit gemischten Gefühlen, denn auf der einen Seite kommt man sich wie ein Betrüger vor, auf der anderen Seite verhelfen einem die Seilbahnen zu schätzungsweise 3-4 Stunden mehr Schlaf. Denn an der Station Eisgrat steigt man noch einmal in eine andere Gondel um und schwebt über den Schaufelferner aufs 3150 Meter hochgelegene Restaurant hinauf. Hier schnallen wir mit einer Menge anderer Tourengeher die Ski an und lassen es auf einer Abfahrt entlang eines Schlepplifts bis in eine Grube unterhalb des Lifthäuschens laufen.
![]() Dass heute ein heisser Tag werden soll, merkt man jetzt schon, denn trotz 9.00 früh braucht man nicht einmal eine Mütze. Nach einer kurzen Querung in die obere Mulde unter dem Schlepplift wird auf ca 2800m angefellt. Das dauert bei den meisten, die mit uns eine der ersten Gondeln erwischt haben, doch etwas länger, vor allem bei einer größeren Gruppe Schweizer. Nach zehn Minuten spurt Tom vor mir den steilen Einstieg des Pfaffenferners vor. Aber schon nach 200 Höhenmetern wird es wieder flach, und es geht gemütlich mittig- links auf dem flachen und laut Karte sehr spaltenfreien Gletscher nordöstlich Richtung Pfaffenjoch.
![]() Wir haben zwar Seil und Gurt dabei, uns aber wegen der guten Bedingungen ersteinmal gegen das Anseilen entschieden. Am Pfaffenjoch (3212m) angekommen, einem kleinen Durchlass durch einen Felsriegel, biegen wir rechts ab und queren mäßig steil in südöstlicher Richtung den Sulzenauferner. Außer zwei kleineren Gruppen in der Ferne ist niemand mehr zu sehen. Nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten kommen wir in den Pfaffensattel zwischen Wildem Pfaff (3458m) und dem Firngrat des Zuckerhütls.
![]() Hier wird es noch einmal ordentlich steil und abgeblasen, man muss schon stabil auf dem Ski stehen um nicht zu rutschen. Auch eine Spitzkehre in steilem Gelände lernt man sicher wo anders besser. Doch die letzten Höhenmeter muss man die Ski auf jeden Fall abschnallen und es geht zu Fuß weiter. Ich schnalle die Steigeisen an, auch wenn der Schnee weich genug ist und eigentlich kein Eis vorhanden ist. Tom spart sich die Eisen und geht Stufen schlagend vor. Ein bisschen ausgesetzt ist man an einer Stelle, aber schneller und problemloser als gedacht sieht man das etwas ungewöhnliche Gipfelkreuz vor sich.
![]() Hier oben können wir jetzt so richtig die Aussicht genießen, ganz allein, um uns herum alles niedriger. Weisse, unberührte Gletscherflächen, Spalten, felsige Grate und Gipfel erheben sich aus der Stille. Gegenüber der Habicht, im Vergleich zum Zuckerhütl, das so elegant aus seinem Massiv ragt, ein mächtiger Klotz. Richtung Süden schweben die Dolomitengipfel blau über einem Dunstmeer, und die Ötztaler Gipfel glitzern in der Sonne. Im Norden betrachten wir die Idealabfahrt von der Ruderhofspitze, ein weiteres Muss für die letzten Skitourenwochen. Als wir dann Stimmen hören und die ersten Leute nach uns den Gipfel erreichen, packen wir unser Zeug zusammen und machen uns an den Abstieg. Hier bin ich dann doch noch froh über meine Steigeisen, die mir eine angenehme Sicherheit geben bis wir beim Skidepot ankommen.
![]() Während wir in die Bindung steigen kommt auch die Gruppe aus der Schweiz in Sichtweite und wir sind froh dass wir den Gipfelanstieg relativ allein angehen konnten. Da der Schnee und die Temperaturen nicht ideal sind, wählen wir als Abfahrt die Aufstiegsroute, geben Gas und sind kurz darauf wieder in der Mulde unter dem Schlepplift. Lohnender wäre wohl eine Abfahrt über den Sulzenauferner, der aber ziemlich spaltig und nicht ganz ohne aussieht. Naja, das Seil war heute mal wieder ein Trainingseffekt… dafür kann man sich ja dann ein Weißbier mehr gönnen.
![]() Mit dieser Aussicht quälen wir uns den Gegenanstieg hinauf, der mir sehr steil und unglaublich heiß vorkommt. Dann ab in den Schlepplift, bei dem man auch eine Einzelkarte kaufen kann und schon ist man wieder in einer anderen Welt: Lärmende Skitouris am „Top of Tirol“ mit roter Birne von Schnaps und Sonne. Aber wir wollen nicht meckern, schließlich nützen wir hier ja auch die Infrastuktur, und ohne den Lift wären wir heute sicher nicht so leicht in den Genuß eines so beeindruckenden Gipfels gekommen.
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