Olperer (3476m) - König der Tuxer Alpen

(verfasst von Bert_1 am Do 30. Mär. 2006)

Schitour auf den „höchsten“ der Tuxer - 20.3.06

Schon am Sonntag abends kommt beschließen wir, das für Montag hervorragend vorhergesagte Wetter für eine ordentliche Schitour auszunutzen. Nach einigem hin und her entscheiden wir uns schließlich für ein lange fälliges Projekt: Heute soll der Olperer fallen – im vergangenen Jahr habe ich ihn von so vielen umliegen gesehen – immer wieder seine beiden eindrucksvollen Eiswülste bewundert. Nun ist es also soweit, Wetter und Verhältnisse stimmen, die Truppe auch, neben Philipp und mir sind noch Bene und Steffen mit dabei.

Als Anstieg wählen wir das Wildlahnertal, ein Seitental des Schmirntals, das man über die Brennerautobahn erreicht, dann über Olpererferner und Nordwestgrat zum Gipfel. Ein ordentliches Stück Arbeit – 2050 hm mit schwerem Gepäck, denn auf Seil, Gurt und Pickel wollen wir nicht verzichten liegt vor uns. Um kurz vor 8 Uhr starten wir nach einigen Anlaufschwierigkeiten – technische Probleme mit Benes LVS endlich am Parkplatz in Wildlahner (1520m). Zunächst geht es flach auf einer Forststraße taleinwärts, dann nach wenigen hundert Metern verzweigt sich die Spur, die eine geht weiter flach ins Tal, die andere ansteigend durch den Wald an der rechten Bergflanke entlang. Ohne lange nachzudenken schlagen wir die ansteigende Spur ein – ein Fehler, der uns, wie sich später zeigen sollte fast den Gipfel gekostet hätte und ohne den wir uns einige Mühen ersparen hätten können.

Denn nachdem wir im Wald zügig an Höhe gewonnen haben löst ein schmaler Rücken den Wald ab und ein Blick ins Tal und in die Karte zeigt uns sehr schnell, dass wir hier falsch sind – wir sind auf 2200 m auf dem Aufstieg zur hohen Warte – 300 hm über der eigentlichen Aufstiegsspur - verflucht das kanns jetzt gewesen sein, denn eigentlich war im Zeitplan kein Platz für einen derartigen Fehler. Nach kurzer Diskussion und nachdem wir Philipps Idee über den Grat zu Kahlwandspitze und Steinernes Lamm zu queren als unmöglich verworfen haben, entscheiden wir uns zur eigentlichen Aufstiegsspur im Tal abzufahren.

Zunächst gilt es querend einen Weg durch das felsdurchsetzte Gelände zu finden, dies gelingt mir aber ohne Probleme und nach einer Abfahrt über einen schönen freien Hang sind wir schließlich wieder da wo wir eigentlich schon eine Stunde zuvor hätten sein sollen: auf der Aufstiegsspur im Wildlahnertal. Zu allem Überfluss hat sich Philipp an seinem Schi die Hand aufgeschnitten, das Verarzten und Fellanlegen kostet wieder Zeit. Aber an aufgeben kann noch nicht gedacht werden! Wir ziehen das Tempo etwas an und steigen auf zum Wetterkreuz.

Ein Einheimischer, den wir überholen meint, dass wir uns über die Abfahrtszeit keine Sorgen machen bräuchten – die Abfahrt liegt so stark im Schatten, dass bei den zwar warmen Temperaturen bis zum frühen Nachmittag kaum mit erhöhter Lawiengefahr zu rechnen ist. Zügig gehen wir weiter, immer direkt auf den Olperer zu. Auf 2700m Höhe beschließt Steffen umzukehren – er hat sich den ganzen Tag nicht richtig fit gefühlt und möchte keine Erkrankung riskieren und fährt deshalb allein zum Auto ab.

Wir drei anderen halten uns an den Kodex – wer zurückbleibt wird zurückgelassen und gehen weiter. Nach kurzer Mittagspause am Fuß des Olpererferners geht der Aufstieg über den Gletscher und zwischen den Eiswülsten hindurch weiter. Die Landschaft aus Fels und Eis ist ungemein beeindruckend und gemeinsam mit den nachlassenden Kräften zwingt sie uns immer wieder zum verweilen, schauen, photographieren. Schließlich erreichen wir um ca. 13 Uhr die Wildlahnerscharte (3200m). Etwas ernüchternd ist der Blick nach Norden – die Bergeinsamkeit der vergangenen Stunden wird je von den Eindrücken des Hintertuxer Glescherschigebiete abgelöst – bis in die Scharte hinein geht ein Schlepplift.

Zum Glück ist dieser Eindruck aber nur von kurzer Dauer, denn vor uns liegt der Nordwestgrat und da ist Einsamkeit wieder garantiert. Nach wenigen Metern deponieren wir die Schi, ab hier gilt es dem Grat im mäßig schwierigen kombinierten Gelände zu Fuss beizukommen. Der Olperer ist aus stahlend weißem, sehr griffigem Granitgestein aufgebaut, ganz anders als in den umliegenden Tuxer und Zillertaler Alpen mit ihren fast schwarzen Gesteinen. Obwohl wir das Material jetzt schon über 2000 hm mitgeschleppt haben verzichten wir auf Seil und Gurt und machen uns nur mit dem Eispickel bewaffnet auf den Gipfelanstieg. Dieser gestaltet sich als schwieriger als gedacht, Konzentration und Klettertechnik sind gefordert, aber nach einer knappen Stunde steht dem Gipfelglück um 14 Uhr nichts mehr im Wege – ein tolles Gefühl, eine gute Leistung, wunderbare Fernsicht auf die umliegenden Gebirgsgruppen und bis zu den Felszacken der Dolomiten.

Nach kurzer Rast machen wir uns aber wieder an den Abstieg – Steffen wartet sicher schon und wir wollen ihm keinen Grund zur Sorge geben. Der Abstieg zieht sich und erst nach 45 min sind wir wieder bei den Schiern. Die Abfahrt ist im ersten Teil zwar ein landschaftlicher Hochgenuss, aber der Schnee ist hart und oft unberechenbar. Erst unterhalb des Gletscher hat die Scheedecke gut aufgefirnt und diese wunderschöne Tour bekommt noch eine würdige Abfahrt. Um 16 Uhr sind wir wieder beim Auto, wo Steffen sich langsam Sorgen macht und wenig später runden wir diese herrausragende Bergfahrt mit dem obligatorischen Weizen ab.

Ein wirklich toller Berg – der Olperer kann auch noch vom Schlegeisspeicher im Zillertal oder aus dem Valsertal bestiegen werden – darüber hinaus stehen mit Südwest- und Ostgrat zwei weitere interessante Varianten zur Verfügung. Der Olperer wird mich also sicher nicht das letzte mal gesehen haben!

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