Patscherkofel mit dem Radl

(verfasst von brezen am Di 1. Nov. 2005)

Kahlköpfig und vollgebaut steht der Patscherkofel wenig attraktiv über Innsbruck. Aber er hat mehr zu bieten als man denkt.

Nach einem Uni-Vormittag kommen wir erst um halb zwölf in Innsbruck los und radln unter der Autobahn durch Richtung Igls. Natürlich verfahren wir uns prompt auf den weitverzweigten Trails und Wegen im dichten Fichtenwald. Aber bei so vielen Möglichkeiten trifft man bald wieder auf einen Wegweiser, und der Wald wird immer lichter mit herrlich duftenden Kiefern und sonnigen Flecken auf dem bewachsenen Waldboden. Dann kommen wir direkt am Lanser See auf die grasige Terasse über Innsbruck.

In Igls biegen wir nach einer Wurstsemmel um halb eins Richtung Patsch ab und nach ein paar Kilometern Strasse auf einen Forstweg zum Gasthof Heiligwasser ab. Hier schraubt sich eine Forststrasse, die anfangs noch geteert ist, mit einer gut fahrbaren Steigung immer weiter nach oben. Ab dem Alpengasthof Heiligwasser wird sie zur Schotterstrasse, und wir gewinnen, diverse Seilbahnen kreuzend, schnell an Höhe. Wir fahren zwar im Schatten, aber der Blick auf die gegenüberliegende Nordkette, die voll in der Sonne liegt, entschädigt. Dann plötzlich teilt sich der Weg und unsere schöne Forststrasse ist mit einem Sackgassenschild versehen. Wir haben wohl die Abzweigung zur Patscheralm verpasst, und müssen jetzt laut Karte wohl oder übel über die Lanser Alm zum Patscherkofelhaus.

Der Weg wird schnell schwieriger und nach einer kleinen Brücke zur Schiebepassage. Aber nach wenigen Minuten wird der Wald licht und wir sind schon bei der Lanser Alm angekommen. Und jetzt merken wir, dass sich der Umweg gelohnt hat: Eine richtig gemütliche kleine Alm mit netten Holztischen und kühlen Getränken im Brunnen liegt vor uns. Hier, nach 1100 Höhenmetern, schmeckt das Bier selten gut und wir ärgern uns, dass wir erst jetzt das erste Mal hier sind. Denn man hat hier bei herrlichem Blick bis abends Sonne, aber leider schließen die supernetten Wirtsleute schon am 31.10. zu.

Weiter geht’s durch leuchtenden Lärchenwald und auf schönen aber schweren bis unfahrbaren Wegen zum Patscherkofelhaus. Allgegenwärtige Alpenrosenstauden legen einen Besuch im Juli nahe. Nach einem kurzen Hungerast und ein paar Flüchen über das schwere Rad erreiche ich schließlich auch das Haus. Und da trifft mich schon ein bisschen der Schlag nach der wunderschönen unberührten Natur seit der Lanser Alm: Überall Metall, Bagger, aufgewühlte Erde und Lärm. Was Skigebiete für Wunden in die Landschaft reißen, ist im Sommer erst richtig zu sehen und jedes Mal wieder erschreckend. Und weil ich selber auch gerne mal Pisteln geh, krieg ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen.

Vom Patscherkofelhaus geht’s jetzt weiter in Kehren auf wieder sehr gut fahrbarer Schotterstrasse zum Gipfel. Und jetzt wird man belohnt für die vielen Höhenmeter: Strahlend blauer Himmel, glänzende Gletscher, super Fernsicht vom Kaiser übers Karwendel, Stubaier und Tuxer. Nicht einmal die hässlichen Gipfelbauten können einem das versauen. Da hier oben ein kräftiger Wind bläst, der schon fast an einen Föhnsturm erinnert, tanken wir nur kurz Schoki auf und brechen nach einer viertel Stunde Pause um 3 Uhr vom Gipfel in Richtung Boscheben auf. Denn wir haben uns entschieden, bei diesem Kaiserwetter noch den Zirbenweg mit dem Rad zu versuchen.

Und es fängt gleich gut an: Der direkte Weg vom Gipfel in östlicher Richtung hat sowohl einige Tragepassagen als auch traumhafte gut fahrbare Trailabschnitte zu bieten. Und so geht’s weiter: Der ganze Zirbenweg ist, um es kurz zu sagen, für einen technisch etwa mittelguten Fahrer ein Traum. Man muss absolut kein Profi sein, und wenn man mit einer Stelle nicht zurecht kommt, trägt man halt kurz. Aber über weite Stecken ist es einfach nur Genuß-Mountainbiken: Super Aussicht, auf und ab in beeindruckender Landschaft mit dicken Zirben und durch dichte Latschen.

Dabei muss man eins ganz klar sagen: Der Zirbenweg mit dem Rad ist wirklich nur möglich, wenn keine Wanderer unterwegs sind, denn sonst kommt man sich zu sehr in die Quere. Und da man als Wanderer sowohl die Glungezerbahn als auch die Patscherkofelbahnen für den Zustieg nutzen kann, wird das wohl eher die Ausnahme sein- wir haben allerdings,bestimmt auch wegen der Uhrzeit, vom Patscherkofel bis zur Tulfeinalm nur Tannenmeisen getroffen.

Von da sind wir dann unspektakulär aber schnell auf guten Wegen nach Tulfes abgefahren, da wir doch fast zwei Stunden für die Strecke vom Patscherkofel gebraucht haben, allerdings mit vielen Photopausen, und wir wollten nicht ins Dunkle kommen. Von Tulfes gibt es bestimmt viele schönere Radlwege als die Strasse nach Innsbruck, aber die erkunden wir dann nächstes Mal. Denn eins weiß ich: Auch wenn ich lange geschimpft hab, wie hässlich dieser Patscherkofel ist, ich nimm alles zurück und komm bestimmt bald wieder.

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