Wildangerspitze (2153m) – 9.4.06

(verfasst von Bert_1 am Mo 24. Apr. 2006)

Frühjahrsschitour auf einen unbekannten Gipfel im Halltal

Eigentlich wollten wir, meine beiden Brüder, Rainer und Michael sind zu Besuch aus Deutschland, Philipp und ich die Nacht auf der Ambergerhütte verbringen – aber dank Wochenandrang hätte der Wirt nur Notunterkunft in der Wirtsstube für uns gehabt. Schon seit Tagen sei die Hütte ausgebucht, wen wunderts bei dem herrlichen Wetter! Nun nach schlafen unterm Biertisch ist uns dann eben nicht gewesen und so entscheiden wir uns zur Abfahrt und am nächsten Tag einen neuen Anlauf von Innsbruck aus. Keine schlechte Entscheidung, denn gegen das chillen mit Weißbier und Grillen am Balkon wäre die beste Hüttengaudi nicht angekommen.

Für den nächsten Tag also ein neues Ziel: Eigentlich, so denk ich mir sollte die Speckkarspitze mit ihrer imposant steilen Südabfahrt ein lohnendes Ziel sein zumal wir mit Firn rechnen. Schon im Herbst auf einer Bergtour zum Bettelwurf hatte ich mir vorgenommen dem westlichen Nachbarn des kleinen Bettelwurfs mit den Schiern zu Leibe zurücken, ja und diesmal sollten die Verhältnisse eigentlich passen.

Zu unserer Familienabordnung ist Ines dazugestoßen, Philipp schläft heute lieber aus. Südseite – also früher Aufbruch; schon um 6.30 Uhr starten wir am Eingang des Halltals, weiter ist die Straße leider noch nicht zu befahren und so steht uns erst ein Stück Schitragen – übrigens das erste mal in diesem Winter – und dann noch ein gutes Stück flach durch das Tal zu den Herrenhäusern, verfallenen alten Behausungen von Bergleuten, die hier bis zur Mitte des Jahrhunderts Bergbau betrieben, bevor.

Irgendwie ist das Wetter nicht so, wie wir uns das gedacht hatten: der Schnee ist bockhart zusammengefroren, der Himmel bedeckt. Von den angekündigten Aufhellungen und Sonnenstrahlen, die wir brauchen damit es auffirnt ist keine Spur zu sehen. Vielmehr sieht es im Westen eher nach Regen aus. Das bringt uns dazu den ursprünglichen Plan aufzugeben, vielleicht hat es nordseitig noch Pulver – also nicht nach Norden zum Lafatscherjoch und weiter zur Speckkarspitze, sondern lieber weiter nach Westen in Richtung Stempeljoch.

Nachdem wir vom Rücken über den Herrenhäusern in die Stempelreisen hineingequert sind, sehen wir schnell, dass bis ins Stempeljoch doch noch eine erhebliche Strecke auf gleicher Höhe gequert werden muss, außerdem ist die Abfahrt schon recht verspurt. Und auf der linken Seite münden eine handvoll vielversprechender nordseitige Rinnen in das Kar – warum also nicht... kurze Diskussion, Planänderung, die erstbeste Rinne wird hochgespurt. Es ist steil, wohl so an die 40°, der Aufstieg mit zahlreichen Spitzkehren dementsprechend mühsam, aber das Wetter scheint sich zu bessern, erste blaue Flecken zeigen sich zwischen den Wolken und die Abfahrt wird sicher genial...

Nach dem Ende der Rinne gelangen wir ohne Probleme auf den Rücken und nach wenigen weiteren Metern nach Osten stehen wir um 9.30 Uhr auf dem Gipfel der Wildanger Spitze (wie wir der Karte entnehmen). Jetzt ist die Sonne da, der Blick auf Inntal und Karwendel belohnt für die Mühen des Aufstiegs.

Vom Gipfel sehen wir eine einsame Aufstiegsspur auf unseren Berg, allerdings von der anderen Seite, durch das Törl und dann über den Südostrücken. Wie oft wohl unsere Variante schon begangen wurde? Lange halten wir uns nicht auf, ein unangenehmer Wind bringt uns dazu schnell abzufahren uns die Pause später nachzuholen.

Die Abfahrt hält voll was sie verspricht – zunächst guter Pulver in der Rinne, dann unten über Firnhänge hinab in den Talboden. Dort holen wir die Pause nach, danach gilt es nur noch die Schi das Tal hinauslaufen zu lassen, dann kurz tragen und um 11.30 Uhr sind wir am Auto. Schön – gute Tour, zum Mittagessen daheim und der Tag liegt noch vor uns!

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