Bündner Haute Route 1

(verfasst von Bert_1 am Mo 5. Mai. 2008)

Vier Tage Schitour auf einige der schönsten Gipfel Graubündens. Von Davos über Piz Kesch und (3418m) Piz Plaisun (3200m) ins Engadin

Vier Tage haben wir Zeit. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Wo hin – Westalpen, Bernina oder doch in den Ortler? Schließlich entscheiden wir uns dafür in der Gegend zu bleiben, hier einige gute Berge zu besteigen und das ganze zu einer schönen Durchquerung zusammenzufügen. Was dabei rauskam ist diese, unsere ganz persönliche Bündner Haute Route, eine Tour die einige der namhaftesten Gipfel mit einigen hervorragenden Abfahrten aneinanderreiht. Und – alles klimafreundlich mit Bus und Bahn!

Erst mittags starten wir im Sertigtal. Das Wetter hat einen früheren Aufbruch nicht als sinnvoll erachten lassen und für den Hüttenzustieg reicht der Nachmittag alle Mal. Also machen wir uns auf den Weg, ganz hinein in das Sertigtal und an dessen Ende auf den gleichnamigen Pass. In der Mittagswärme kommen wir gut ins Schwitzen, die schweren Rucksäcke, angefüllt mit Seilen, Eisausrüstung und sonstigem Bedarf für vier Tage tun ihr übriges. Vom Pass folgt eine kurze Abfahrt ins Futauna Tal und noch mal ein kurzer Gegenanstieg zur Keschhütte.

Für heute soll es genug sein, herzlich werden wir vom Wirtsehepaar, das seit nun sage und schreibe 40 Jahren die schön gelegene Hütte bewartet aufgenommen, und teilen das hervorragende Abendessen mit den überraschend wenigen anderen Gästen. Alle anderen schlafen noch, als wir früh am nächsten Morgen die Hütte verlassen und in der anbrechenden Dämmerung in Richtung Piz Kesch steigen.

Der Kesch – als Schiberg wegen der mäßiger Abfahrt und dem langen Anmarsch nicht unbedingt lohnend lockt durch seine schöne, die Gegend dominierende Form, die Aussicht die sein Gipfel verspricht und dadurch dass er der höchste Gipfel der Albulaalpen ist jeden Winter viele Schitourengänger an. So ziehen auch wir unsere Spur über den tief verschneiten Gletscher in den anbrechenden Morgen hinein.

Nach weniger als zwei Stunden erreichen wir den steilen Gipfelaufbau. Ein Stück nehmen wir die Schi noch auf dem Rücken mit, dann an der Schlüsselstelle, einer kurzen Kletterpassage lassen wir Rucksack und Schi im Schidepot und stapfen die letzten Meter unbeschwert zum Gipfel. Beeindruckend ist die Fernsicht, auch auf unser nächstes Ziel, den Piz Blaisun, etwas weiter im Süden. So verweilen wir nicht lange und machen uns an Abstieg und Abfahrt.

Diese führt uns um das Keschmassiv herum und durch eine steile Rinne ins Tal. Endlich erwacht auch hier im Gebirge der Frühling. Zahlreiche Murmeltiere haben sich durch den Schnee ihren Weg ins Freie gebahnt und sind nun emsig auf Nahrungssuche. Einen namhaften Gipfel hatten wir, jetzt soll noch einer für die gute Abfahrt folgen. Und so steigen wir denn weitere 700 Höhenmeter auf, zunächst auf Schiern, dann zu Fuß über den im lockeren Schnee anstrengenden Nordgrat zum Gipfel des Piz Blaisun.

Wir sind zeitlich so gut dran, dass wir uns noch eine halbe Stunde Gipfelrast gönnen können. Dann ist der Firn in der steilen Südflanke perfekt und wir fahren in rassiger Abfahrt hinunter in Richtung Albulapass. Dann der Straße entlang und auf einigen Schneeresten im Bach bis hinab nach La Punt Chamuesch im Engadin. Hier besorgen wir uns Verpflegung für die nächsten Tage fahren dann per Bahn weiter nach Lavin, etwas weiter unten im Inntal.

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