Großer Galtenberg (2424m)

(verfasst von brezen am Do 30. Mär. 2006)

Hält das Wetter?

Der große Galtenberg ist der bedeutendste Gipfel zwischen Alpbachtal und Zillertal und Teil der Kitzbühler Alpen, die ein wirklich großartiges Skitourengebiet bilden. Man biegt vom Inntal bei Brixlegg ins Alpbachtal ab, ein nettes kleines Tal mit größtenteils steilen, bewaldeten Hängen und dem sehenswerten Dorf Alpach. Das Skigebiet Alpbach mit dem Wiedersberger Horn ist immer noch ein Geheimtipp, und durch den neuen Sessellift noch attraktiver geworden. Ungefähr drei Kilometer nach Alpbach Dorf spaltet sich das Tal nach rechts in den Greiter Graben und nach links in den Luegergraben auf. Wir biegen links ab und nach einigen hundert Metern erreichen wir einen kostenpflichtigen, aber großen Parkplatz auf ungefähr 1100 Metern, der allerdings an schönen Wochenenden auch nicht die Parkplatzproblematik im Alpbachtal lösen kann.

Von hier blickt man in mehrere Richtungen auf grandioses Skitourengelände: Von Nord bis West das Skigebiet Schatzberg, das von einem Tal weiter Innabwärts, der Wildschönau, erreicht wird, gefolgt von Sternboden (1796m), Joel (1964m), Saupanzen (1957m), Lämpersberg (2202m) bis zum großen Beil (2309m). Herrliche, freie Hänge, manches vielleicht etwas steil, aber für jeden etwas dabei, auch für eine längere Überschreitung geeignet. Und auf der anderen Seite unseren Tals eben das Massiv des Galtenbergs, das wir uns heute vorgenommen haben. Wir sind früh da und nur ein anderes Auto mit älteren Locals ist schon da, die den Joel machen wollen, die Alternative für heute, denn: Eine Warmfront soll im Laufe des Vormittags aufziehen. Da es aber noch strahlend blauer Himmel ist und wir ja jederzeit umkehren können, biegen wir gleich am Ende des Parkplatzes nach rechts ab, überqueren ein kleines Flüsschen und steigen steil auf einer kaum sichtbaren Aufstiegsspur durch dichten Wald aufwärts. Der Schnee ist super, trocken und pulvrig, noch mal ein paar Zentimeter mehr als in der Innsbrucker Gegend und wir hoffen auf eine super Abfahrt und ein spätes Eintreffen der Warmfront.

Nach 200 Höhenmetern erreichen wir freies Gelände und blicken wenig später von der Buamalm über unverspurte sonnige Hänge! Von dieser Aussicht begeistert, geben wir ordentlich Gas und erreichen schwitzend, kurzärmlig und außer Atem den Grat auf ca. 1700m. Jetzt schon mit einer schönen Aussicht trinken wir einen Schluck und Tom und ich lösen Steffen mit dem Spuren ab, der heute gar nicht zu halten war. Weiter geht’s jetzt immer am Grat entlang, nicht besonders steil, aber mit wirklich viel Schnee. Unberührte Landschaft um uns herum, keine Spur und kein Laut. Ein Wind kommt auf, aber von der drohenden Warmfront ist immer noch kein Wölkchen zu sehen.

Immer näher kommen wir dem steilen Gipfelaufbau, und immer stärker weht der Wind. Wir sehen wie verblasen die steilen Hänge sind, und geben die Hoffnung, mit den Skiern weiter zu kommen auf. Nach einem Intermezzo zu Fuß über einen kleinen Felsgrat und einem extrem windverpressten Hang schnallen wir die Ski schließlich ab. Der Wind weht hier oben richtig kalt und schneidend und wir haben unsere Jacken bis oben hin zugezogen. Bis zum Gipfel liegen noch fast 400 Höhenmeter vor uns. Nicht schwierig, aber steil und extrem windig. Schritt für Schritt arbeiten wir uns voran, und ich frage mich, wann wohl das erste Mal sein wird, dass ich auf diesem Berg mit Skiern an den Füßen ankomme.

Wir umgehen noch einige Triebschneefelder und stapfen immer wechselnd über Fels und gepressten Schnee bis auf einmal das Kreuz groß vor uns steht. Und es hat sich doch mal wieder gelohnt: Eine Rundumsicht vom Alpenhauptkamm über Karwendel, Rofan, Schlierseer und Chiemgauer Bergen bis zum Watzmann, und immer noch kein Zeichen von einer Warmfront. Glücklich trinke ich einen Schluck Tee und denke an den Sommer, wenn man von hier aus eine schöne Rundtour über kleinen Galtenberg und Dristenkopf machen kann. Am schönsten im Herbst, wenn man die ganze Zeit Blick auf die frisch bezuckerten Dreitausender hat.

Doch heute müssen wir zu unseren Skiern zurück, und um das Wetter nicht herauszufordern, brechen wir bald auf und sind um einiges schneller wieder bei den Skiern, als wir für den Aufstieg gebraucht haben. Sobald wir tiefer und den Grat ein gutes Stück zurückgegangen sind, hört der Wind auch auf, und es wird wieder richtig angenehm warm. Und jetzt kommt der Höhepunkt: 700 Höhenmeter unverspurtes Gelände, 40 cm Pulver und Sonne.

Mit einem Hochgefühl schwingen wir bei der Buamalm ab, pflanzen uns auf eine Bank vor der aufgeheizten Holzfront und machen erst einmal ordentlich Brotzeit. Und kaum sind die letzten Brösel aufgepickt, sehen wir die ersten Schleierwolken. Selten hat das Wetter so viel Rücksicht mit uns gehabt, und so rauschen wir noch die letzten Höhenmeter zum Auto hinunter und und freuen uns auf der Autobahn bei immer dunkleren Wolken über einen rundum gelungenen Skitag.

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