Ready for Nature Magazin - Outdoor & Survival

Andreas Tille

Auf dem Rücken von Islandpferden

Isländer sind anders, und das in einem ganz positiven Sinne. Das trifft nicht nur auf die Menschen und Hunde (der Isländer gilt als reinrassigster Hund der Welt) des am nördlichen Polarkreis gelegenen, westlichsten Landes Europas zu, sondern auch auf deren gleichnamige Pferde.

Islandpferde gelten als äußerst gutmütig, langlebig, robust und wetterfest. Ein typisches Merkmal ist ihr üppiger Behang und das lange, dichte Winterfell. Die Tiere haben ein Stockmaß zwischen 130 und 145 Zentimetern. Die geringe Größe und sein menschenfreundlicher Charakter machen es zu einem idealen Pferd für Reiteinsteiger. Die Rasse gilt mit ihrem Körperbau als "Spätentwickler" und sollte erst mit fünf Jahren angeritten werden.

 

Eine Besonderheit dieser Gattung sind die Gangarten. Als einzige Pferderasse der Welt verfügen sie über fünf genetisch fixierte Gangvarianten: Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen Isländer auch den Pass und den Tölt. Der Tölt ist dem Schritt ähnlich, wird aber wesentlich schneller vorgetragen, nämlich mit Geschwindigkeiten wie beim Galopp. Daher wird der Tölt auch „gelaufener Schritt“ genannt. Dabei geht das Pferd bei aufrechter Haltung nahezu erschütterungsfrei. Der Reiter genießt dadurch ein sehr angenehmes, ermüdungsfreies Reiten über längere Strecken, was wesentlich zur Beliebtheit der Isländer beigetragen hat.

 

Nicht alle, aber viele Islandpferde beherrschen auch den Pass. Diese Gangart wird bei hoher Geschwindigkeit über kurze Strecken geritten. Dabei scheint das Pferd fast in der Luft zu schweben, eine solche Kraft legt es an den Tag. Der so genannte Rennpass gilt als Königsgangart des Islandpferdes, Passreiter genießen daher bis heute ein besonderes Ansehen. Der Rekord im Rennpass liegt derzeit bei 7,36 Sekunden auf 100 Metern.

 

Islandpferde gibt es längst nicht mehr nur auf der nordeuropäischen Insel, ihre Popularität hat ein globales Ausmaß angenommen. So konnte der Isländer auch am europäischen Festland „Huf“ fassen. Ihr weltweiter reinrassiger Bestand wird auf gut 190.000 Tiere geschätzt, davon gibt es 75.000 im Mutterland Island. Deutschland ist mit rund 60.000 Exemplaren das zweitgrößte Zuchtland.

 

Doch auch in Österreich ist der Isländer längst heimisch geworden. Im oberösterreichischen Ampflwang stehen die Tiere seit fast vier Jahrzehnten im Mittelpunkt. Das „Reitzentrum Hausruckhof“ im Hausruckwald stellt mittlerweile das größte Isländergestüt in Mitteleuropa dar. Rund 380 Pferde haben hier ihr Zuhause, davon sind gut 250 zugerittene Schulpferde.

 

Durch diese große Auswahl finden alle Pferdeliebhaber das ihrem Reitkönnen entsprechende Tier. In dem Reitzentrum werden Kinder ab drei Jahren, Anfänger, Wanderreiter und Turnierreiter fachlich betreut. Man kann den Reiterpass und die Reiternadel absolvieren, mehrtägige Ritte unternehmen, die verschiedenen Gangarten ausprobieren oder einfach nur bei der Fohlentaufe dabei sein. Insgesamt stehen drei Reithallen, eine 250 Meter lange Ovalbahn, eine Rennpass-Strecke sowie mehr als 200 Kilometer Reit- und Wanderwege im hügeligen Hausruckwald und Umgebung zur Verfügung. Über ein ähnliches Angebot verfügt der Islandpferde Reiterhof Piber im oberösterreichischen St. Radegund.

 

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