Ready for Nature Magazin - Olympische Spiele 2008

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Keine Gnade für Doping-Sünder in Turin

Polizei-Razzien in den Quartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten, gefilzte und von den Beamten abgeführte Athleten, Ärzte oder Trainer im Kreuzverhör von Staatsanwälten - der Anti-Doping-Kampf hat bei den Olympischen Winterspielen in Turin eine neue wie fragwürdige Qualität bekommen.

Vergeblich hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf seine Hoheit bei der Bekämpfung der Sportgeißel gepocht: Das seit fünf Jahren in Italien gültige Anti-Doping-Gesetz, das strengste der Welt, wird für die Zeit der Spiele nicht suspendiert. "Das Gesetz gilt. Wie die Möglichkeiten genutzt werden, hängt von den italienischen Behörden ab", sagte das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach. "Ich hoffe aber, dass die Integrität des Sports bewahrt wird."

Auch IOC-Präsident Jacques Rogge hätte es lieber gesehen, wenn Italiens Staat sich aus den Doping-Angelegenheiten heraushalten würde: "Das ist eine Frage der Sportethik und nicht ein kriminelles Problem."

Die von Doping-Skandalen erschütterten Italiener blieben jedoch strikt auf der harten Linie. "Wenn jemand wegen der anderen Anti-Doping-Gesetzgebung nicht zu den Spielen kommt, heißt dies, dass er etwas zu verbergen hat", konterte Gianni Petrucci, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Italien (CONI). Vielleicht wird der Abschreckungseffekt für potenzielle Doper erhöht. Denn ein immer engmaschigeres Kontrollnetz hat den Sportbetrug eingedämmt, aber nicht abgestellt.

Dies wurde auf besonders spektakuläre Weise vor vier Jahren in Salt Lake City sichtbar, als Johann Mühlegg für den größten Doping-Skandal bei Winterspielen sorgte. Der für Spanien angetretene deutsche Langläufer hatte seine drei Goldmedaillen mit illegaler Unterstützung des Blutdopingmittels "Darbepoetin alfa" gewonnen. Auch die Russinnen Larissa Lasutina und Olga Danilowa, die Gold und Silber holten, wurden mit diesem Präparat erwischt und mit Medaillen-Entzug bestraft.

"Prominente Fälle wie diese können auch helfen. Sie zeigen, dass das IOC ohne Ansehen der Person vorgeht", meinte Bach, der bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als Vorsitzender der Disziplinarkommission des IOC in der Doping-Affäre der Griechen Kostas Kenteris und Ekaterina Thanou im Zentrum des Geschehens stand.

In Turin und in den olympischen Bergregionen war eine Rekordzahl an Doping-Tests geplant. Insgesamt soll es 1.200 Kontrollen und damit etwa 45 Prozent mehr als in Salt Lake City geben. Darin enthalten sind 362 auf das verbotene Blutdopingmittel Erythropoetin (EPO). Für das IOC hat dabei das in die Kritik geratene EPO-Nachweisverfahren weiter Gültigkeit. "Es entspricht den Vorschriften der Welt-Anti-Doping-Agentur und ist absolut zuverlässig", sagt Bach.

Ob auch systematisch nach dem Missbrauch von Wachstumshormonen gefahndet wird oder andere neue Analyseverfahren zur Anwendung kommen, ließ Bach offen. "Wir werden alles testen, für das zuverlässige Methoden zur Verfügung stehen", sagte der Wirtschaftsanwalt. Gewappnet ist das IOC zudem für den Fall, dass nach den Winterspielen Erkenntnisse über den Betrug mit neu entwickelten Doping-Substanzen auftauchen sollten: Alle Doping-Proben sollen acht Jahre eingefroren werden, so dass eine erneute Untersuchung nachträglich möglich ist. "Auch dadurch wird das Risiko für potenzielle Doper erhöht", erklärte Bach.

 

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