Ready for Nature Magazin - Wandern

Risiko Bergsteigen: Die Gefahr geht oft vom Menschen aus
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Risiko Bergsteigen: Die Gefahr geht oft vom Menschen aus

Bergsteigen ist populär wie nie. Im Alpenland Österreich ist das Kraxeln inoffizieller Nationalsport. Denn wenn der Berg ruft, dann machen sich Herr und Frau Österreicher auf den Weg ins Gebirge. Selbst die Nummer eins im Land, Bundespräsident Heinz Fischer, ist passionierter Alpinist, wie er mit seinem Gipfelsieg am Großvenediger im September bewies. Doch durch Katastrophen wie jene im heurigen Sommer am K2, am Nanga Parbat oder am Montblanc wird vielen erst bewusst, dass Bergsteigen mit einem gewissen Risiko behaftet ist.

Österreichs Gipfel sind und bleiben ein Magnet, für Einheimische gleichermaßen wie für Urlauber aus aller Welt. Die herrliche Natur spielt dabei eine wichtige Rolle. Genauso wesentlich ist für den „Bergfex“ aber die Selbsterfahrung angesichts einer schweißtreibenden Herausforderung. Oft vergessen werden dabei aber die Gefahren: So verunglücken in Österreich jährlich mehrere Hundert Menschen beim Bergsteigen und -wandern tödlich, hinzu kommen Tausende Verletzte. 2007 wurden hierzulande 329 Tote gezählt. Hauptursache sind Herzkreislaufprobleme. Zu den häufigsten Unfallursachen wiederum zählen Stolpern und Ausrutschen sowie das Verirren oder Versteigen am Berg.

Dabei lässt sich vieles im Vorfeld vermeiden. Bergtouren sollten dem eigenen Können und der Kondition angepasst werden. Zu großer Ehrgeiz ist völlig fehl am Platz. Hinzu kommen die richtige Ausrüstung, die notwendigen Ortskenntnisse und das Einholen von Informationen über das Wetter und die Beschaffenheit der Route. Oft genug werden Alpinisten durch Unwetter oder von der Dunkelheit überrascht. Dann heißt es umdrehen oder - falls das nicht möglich ist - via Handy Hilfe rufen. Letzteres gilt vor allem beim Verlust der Orientierung in Folge dichten Nebels, starken Regens oder Schneefalls.

Noch einmal verschärfter ist die Situation im Hochgebirge, wo die äußeren Bedingungen wesentlich höhere Anforderungen an Geist und Körper stellen. Nur erfahrene und mit dem entsprechenden Know-how versehene Bergsteiger sollten sich in die Welt des ewigen Eises und in große Höhe wagen. Fehler führen oft sofort zu lebensgefährlichen Umständen. Zudem ist hier die Natur unberechenbar.

Die großen Unglücksfälle in diesem Sommer haben gezeigt, welche Gefahren auf Bergsteiger lauern. So kamen am K2 Anfang August elf Alpinisten ums Leben, als sie von einer Eislawine erwischt wurden. Zwei Wochen davor gab es ein Drama um zwei Italiener, die am Nanga Parbat festsaßen, nachdem der erfahrenste Alpinist der Dreiergruppe, der Südtiroler Karl Unterkircher, in eine Gletscherspalte gestürzt war. Ebenfalls eine Eislawine hatte im August am Montblanc zu einem schweren Unglück mit acht Toten geführt.

Oft führen Ruhmsucht und übertriebener Ehrgeiz bei unerfahrenen Bergsteigern zu solchen Katastrophen. Auch kommerzielle Firmen stehen in der Kritik, mit dieser risikofreudigen Zielgruppe Geld verdienen zu wollen. Unerfahrene Alpinisten wissen oft nicht, wie sie in Schlechtwetterperioden oder ohne Sicherungsseile reagieren müssen. So meint die italienische Bergsteiger-Legende Hans Kammerlander: „Das Niveau des Könnens der Leute ist schon auf einem ganz tiefen Niveau inzwischen. Gelockt von kommerziellen Anbietern stehen die Leute plötzlich vor einem Berg und merken dann, da wollen sie eigentlich gar nicht hin.“

Gerlinde Kaltenbrunner, die weltweit erfolgreichste Extrembergsteigerin aus Oberösterreich, weiß ähnliches zu berichten. „Ich habe erlebt, wie Bergsteiger bereits im Everest-Basislager mit Sauerstoff schlafen, also auf 5.200 Meter, und vom Basislager auch mit Sauerstoff in Richtung Gipfel starten. Die haben dort eigentlich nichts verloren. Die Frage ist, wie willst du das stoppen.“ Laut dem Tiroler Peter Habeler, der einst mit Reinhold Messner eine legendäre Seilschaft gebildet hatte, gibt es „genügend Leute, die nicht mit einem Steigeisen umgehen können oder nicht die notwendige Trittsicherheit mitbringen“. Hinzu kämen Selbstüberschätzung und zu wenig Kondition. Daher gehe ein Großteil der Bergunfälle auf den Menschen selbst zurück.

Hinzu kommen noch die Gefahren, die vom Berg ausgehen und die man kaum beeinflussen kann. Dazu gehören z.B. auch jene naturbedingte Lawinen, die das Bergdrama auf dem Montblanc ausgelöst hatten. „Das hätte jedem passieren können, auch einem Messner, Kammerlander oder mir“, meint Habeler.

Auch die Erderwärmung macht das Bergsteigen gefährlicher. „Durch die Klimaerwärmung häuft sich der Stein- und Eisschlag. Der Permafrost schwindet irgendwann und der Berg gibt verstärkt Steinschlag ab“, so Kaltenbrunner. Dort, wo früher Schnee und Eis den Berg einpackten, donnern heute Felsbrocken ins Tal oder prasseln Steine von den Wänden. Denn wenn das Eis als „Kitt“ verschwindet, hat Erosion leichtes Spiel und der Fels bricht.

Am Montblanc wird indes über einen „Numerus clausus" für Bergsteiger nachgedacht. So sagte der Bürgermeister des französischen Ortes Saint-Gervais zu Füßen des Massivs, Jean-Marc Peillex: „Der Montblanc ist zu einem Eurodisney für Bergsteiger geworden.“ Er fordert Maßnahmen zum Schutz des Bergs, im Notfall auch Eintrittskarten für Touristen, die den Montblanc besteigen wollen. Die Zweckmäßigkeit dieser Maßnahme wird aber bezweifelt.

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