Ready for Nature Magazin - Umwelt

Massive Proteste begleiten die Jagd
© ASM

Jagd auf 275.000 Robben in Kanada hat begonnen

Begleitet von massiven Protesten zahlreicher Tierschützer hat am Freitag in Kanada die Jagd auf 275.000 Robben begonnen. In der Morgendämmerung starteten im Golf von St. Lorenz an der Ostküste des Landes die ersten Fangschiffe. Der kanadische Fischereiminister Loyola Hearn versicherte, die Regierung tue alles, um die Robbenjagd "menschlich", sicher und nachhaltig zu gestalten.

Tierschutzorganisationen sprachen dagegen von einem "grausamen" Schlachten. Das Fischereiministerium hatte schon vor zwei Wochen 275.000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben. Das sind 5.000 mehr als im vergangenen Jahr. Erstmals werden die Jäger 2008 unter anderem verpflichtet, die Schlagader der Tiere zu durchtrennen, um sie ausbluten zu lassen. Damit wollen die Behörden sicherstellen, dass die Robben wirklich tot sind, ehe sie gehäutet werden.

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) kritisierte die neuen Regularien als weitgehend unwirksam. "Bisherige Regeln wurden kaum beachtet, warum sollte das nun anders sein?", sagte IFAW-Robbenexperte Ralf Sonntag. Zudem würden weiterhin manche Tiere lebend mit Stahlhaken zu Sammelstellen gezogen und erst dort getötet.

Ministeriumssprecher Jean Riverin sagte auf Anfrage, mehrere Journalisten und Nicht-Regierungsorganisationen seien als Beobachter zugelassen worden. Dem Fernsehsender RTL wurde nach eigenen Angaben jedoch verwehrt, den Jagdbeginn zu filmen. "Obwohl das Recht zu filmen gesetzlich verankert ist und die notwendige Genehmigung rechtzeitig beantragt wurde, werden das deutsche Fernsehteam von RTL sowie die Schweizer Foundation Franz Weber daran gehindert, den Auftakt der diesjährigen Robbenjagd zu dokumentieren", teilte der Sender mit.

Die EU-Kommission wirft Kanada "unmenschliche" Methoden bei der Jagd auf Robben vor. "Wir sind besorgt über die Art und Weise, wie die Tiere mit Schlägen gegen den Kopf getötet werden", sagte die Sprecherin von Umweltkommissar Stavros Dimas am Freitag in Brüssel. Die EU-Behörde wolle im Sommer ein offizielles Papier vorlegen, in dem das sogenannte Clubbing als grausame Jagdtechnik kritisiert werde. Die genaue Formulierung des Texts sei derzeit aber noch offen. Maßnahmen gegen Kanada würden derzeit jedoch nicht diskutiert, hieß es ergänzend aus der Behörde.

Vor allem die Modeindustrie in Norwegen, Russland und China ist an Robbenfellen interessiert. Die USA haben dagegen bereits 1972 ein Importverbot für kanadische Robbenprodukte verhängt. Die EU-Kommission warf Kanada zwar "unmenschliche" Methoden bei der Jagd auf Robben vor. Konkrete Maßnahmen gegen das Land würden derzeit jedoch nicht diskutiert, hieß es. Bisher haben Belgien und die Niederlande die Einfuhr von Robbenprodukten verboten, Deutschland arbeitet an einem entsprechendem Gesetz.

Die Robbenjagd beginnt traditionell im Golf von St. Lorenz. Etwa 30 Prozent der freigegebenen Tiere werden hier erlegt. Die restlichen 70 Prozent stammen aus der Region nordöstlich von Neufundland, wo die Jagd erst im April beginnt. Minister Hearn betonte erneut, der Robbenfang sei für viele Menschen in den entlegenen Küstenregionen lebenswichtig. Im Jahr 2006, als noch 335.000 Tiere getötet werden durften, wurden die Einnahmen auf insgesamt 25 Millionen kanadische Dollar (rund 15 Millionen Euro) geschätzt.

Schätzungen zufolge gibt es in Kanada derzeit etwa 5,5 Millionen Robben. Nach Regierungsangaben waren es in den 70er Jahren, als die Jagd noch nicht reguliert war, weniger als zwei Millionen. Der Fang von Baby-Robben, die noch ein weißes Fell haben, ist seit 1987 verboten.

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