Golfen auf Eis und Schnee nördlich des Polarkreises
Winterzeit ist Eis- und Schneegolfzeit. Die Saison in dieser ungewöhnlichen Golfdisziplin ist voll im Gange und wird alljährlich mit der Weltmeisterschaft im März auf Grönland gekrönt. Dieses wohl ungewöhnlichste Golfturnier auf Erden findet fast 600 Kilometer nördlich des Polarkreises statt und zieht alljährlich Golf-„Verrückte“ aus aller Welt an.
Minusgrade, Schnee und Eis statt gepflegtem Grün, bunte statt weißer Bälle, dicke Thermoanzüge statt feiner Polos oder Strickjacken - was sich für viele Vertreter des noblen Golfsports rustikal und wenig nachahmenswert anhört, ist für die „harten“ Liebhaber des gepflegten Hüftschwungs eine Möglichkeit, ihr Hobby auch im Winter outdoor zu betreiben, ohne in südliche Gefilde fliegen zu müssen. Sie bleiben wie jedes Jahr in der kalten Jahreszeit einfach draußen in der Natur und lochen auf gepressten Schnee- und Eisbahnen ihre roten oder grünen Bälle ein.
Neu ist die Wintervariante des Golfs allerdings nicht. Schon im 17. Jahrhundert war dieser Sport in den Niederlanden bekannt und wurde dort auf zugefrorenen Kanälen betrieben, wie Gemälde aus dieser Zeit beweisen. In unseren Zeiten erfuhr Eisgolf Popularität in St. Moritz. Dort wird seit mehr als 20 Jahren Golf auf Schnee bzw. eisigen Untergrund gespielt.
Auch am Kärntner Weissensee gibt es ein traditionsreiches Turnier. Golf-Fundamentalisten werden da vielleicht die Nase rümpfen, Schneegolf ist dennoch echtes Golf. Die Bedingungen für die Durchführung eines Wettkampfes im Schnee sind regulär, zudem wird fast nach den gleichen Regeln gespielt wie im Sommer.
Die Idee einer Weltmeisterschaft in Grönland wurde 1997 ins Leben gerufen. Damals wurde in der Ortschaft mit dem feinen Namen Uummannaq an der Westküste Grönlands der erste Golfplatz der riesigen Eisinsel „designt“, wenig später das World Ice Golf Committee gegründet. 1999 gab es die erste WM. Der Klimawandel macht jedoch auch den Eisgolfern zu schaffen. So musste 2003 die Meisterschaft wegen ungewöhnlicher Wärme abgesagt werden. Ein Jahr später wichen die Organisatoren nach Spitzbergen aus.
2007 findet das extremste Golfturnier der Welt vom 22. bis 27. März wieder auf dem vereisten Nordpolarmeer zwischen den gigantischen Eisbergen von Uummannaq statt, so es keine Wetterkapriolen gibt. Teilnehmen kann jeder, der ein niedrigeres Handicap als 36 aufweist und Temperaturen von 20 Grad unter Null aushält. Frauen und Männer golfen zusammen auf einem Parcours mit neun Löchern, der sich auf einem zugefrorenen Fjord befindet und insgesamt vier Mal durchgespielt wird.
Architekten des Golfplatzes sind im Wesentlichen das Meer und das Wetter, denn jedes Jahr türmen sich die Eisberge an anderen Stellen. Amtierender Weltmeister ist der Australier Jason Cunningham, als einzige bereits zwei Mal gewonnen hat den Bewerb die Dänin Annika Östberg.