NEU IM SHOP!Sportarten30.11.08
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Ready for Nature Magazin - Trend, Fun & Extreme© APA (epa/Archiv) Könige, Dichter und Entdecker schaffen es in der Regel mit ihrem Konterfei auf Geldscheine. Sir Edmund Hillary wurde diese Ehre noch zu Lebzeiten zu teil. Als Erstbezwinger des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest, war er zur lebenden Legende des 20. Jahrhunderts geworden. Die Nationalbank Neuseelands setzte ihm mit seinem Bild auf einem Fünf-Dollar-Schein ein Denkmal. Das war so recht nach dem Geschmack von Hillary, der immer ein Naturbursche und Mann des Volks geblieben war. "Nenn' mich Ed", sagte er jedem. Heldenverehrung war ihm suspekt. Zeitlebens bestand er darauf, in einem Atemzug mit Sherpa Tenzing Norgay genannt zu werden. Die beiden hatten den 8.848 Meter hohen Gipfel am 29. Mai 1953 zusammen erreicht. Hillary machte von dem historischen Ereignis das einzige Foto, das Tenzing auf dem Gipfel zeigt. Dessen Angebot, auch ein Foto von Hillary zu schießen, lehnte der ab. Tenzing habe nie zuvor eine Kamera benutzt "und der Gipfel des Mount Everest war wohl kaum der richtige Ort um ihm zu zeigen, wie das geht", sagte Hillary später. Hillary war zwar der erste, der seinen Fuß auf den Gipfel setzte, doch spielte das für die beiden, die eine lebenslange Freundschaft verband, keine Rolle. "Wenn es eine Schande ist, als zweiter den Gipfel des Mount Everest erreicht zu haben, muss ich mit dieser Schande leben", sagte Tenzing einmal. Er starb 1986. "Oben zu sein war nicht so wahnsinnig aufregend wie die Leute manchmal meinen", sagte Hillary später, der sich auf den letzten Metern durch eine Spalte im Eis nach oben hangelte. "Wir waren müde, und ich spürte nur ein Gefühl ruhiger Zufriedenheit." Tenzing vergrub ein paar Süßigkeiten als Opfergabe an die Götter, und 15 Minuten später machten die beiden sich auf den gefährlichen Rückweg. Die Neuseeländer sind äußerst stolz auf ihren berühmten Sohn, der nie die Bodenhaftung verlor, und mit seinem trockenen Humor jedem Besucher aufkeimende Ehrfurcht nahm. Während Neil Armstrong als erster Mann auf dem Mond mit den wohl gewählten Worten "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit" in die Geschichte einging, fasste sich der erste Mann auf dem höchsten Berg der Welt volkstümlicher: "Den Bastard haben wir endlich geschafft", sagte er nach dem Abstieg - und das ist bis heute in Neuseeland ein geflügeltes Wort für besondere Leistungen. Das Bild von Hillary auf dem Geldschein zeigt einen verwegenen Abenteurer. Seine Schulkameraden hätten den kleinen Edmund allerdings ausgelacht, wenn ihnen damals jemand gesagt hätte, dass sie die Schulbank mit einem künftigen Nationalhelden drücken. Schmächtig war der Junge, auch im Sport nicht gerade eine Leuchte. "Ich war ein scheuer Junge mit Minderwertigkeitsgefühlen, die ich immer noch habe", sagte er einmal. Mit 16 änderte sich das. Der Teenager entdeckte seine Bergsteigerleidenschaft am Berg Ruapehu, und sagte kurz darauf voraus: "Eines Tages besteige ich den Mount Everest!" Mehr als 15 Jahre sollte das noch dauern. Zuerst wurde er Bienenzüchter, wie sein Vater. Das Bergsteigen blieb ein Hobby. Ausdauer war eine seiner Tugenden. "Ich bin das Paradebeispiel des durchschnittlichen Neuseeländers", sagte er. "Ich habe bescheidene Fähigkeiten, verbunden mit ziemlich viel Entschlossenheit und einem ziemlich ausgeprägten Siegeswillen." Hillary wurde mit der Everest-Bezwingung über Nacht weltberühmt, ruhte sich auf den Lorbeeren aber nicht aus. "Ich bin immer ruhelos gewesen, mein ganzes Leben war ein Kampf gegen die Langeweile", schrieb er in seiner Biografie. So leitete er 1958 eine Expedition, die fast ein halbes Jahrhundert nach den legendären Wettlauf zwischen Amundsen und Scott den Südpol erreichte. Dann suchte er im Himalaya nach dem Schneemenschen Yeti. 1977 erkundete er den Ganges in Indien von der Mündung bis zur Quelle. Mit Neil Armstrong landete er 1985 auf dem Nordpol. Der Himalaya-Region und dem Volk der Sherpa blieb er sein Leben lang besonders verbunden. Aus Dankbarkeit für die Hilfe der Sherpas, die seitdem ganzen Bergsteigergenerationen auf das Dach der Welt verholfen haben, machte er sich für das Bergvolk stark. Er gründete eine Stiftung, sammelte unermüdlich Spenden und war immer wieder da, um selbst Hand anzulegen: beim Bau von mehr als zwei Dutzend Schulen, von Krankenhäusern, Straßen, Brücken und Wasserleitungen. "Wenn ich mal ins Gras beiße, sollten von allem, was ich so gemacht habe, ohne Frage die Sherpaschulen und das als bleibende Leistung in Erinnerung bleiben", sagte er vor ein paar Jahren. Von 1985 bis 1989 war er Botschafter in Indien, Nepal und Bangladesch. In den geliebten Bergen verlor Hillary 1975 seine erste Frau und seine einzige Tochter: die beiden kamen bei einem Flugzeugabsturz in Kathmandu ums Leben, als sie ihn dort besuchen wollten. Seine zweite Frau, June Mulgrew, war die Witwe eines Freundes, der 1979 für Hillary als Reiseleiter bei einen Touristenflug über der Antarktis eingesprungen war und abstürzte. Seine letzten großen Reisen führten ihn an die Stätten seiner größten Erfolge: Anfang vergangenen Jahres war Hillary in der Antarktis, um den 50. Jahrestag der Einrichtung der ersten neuseeländischen Forschungsstation, Scott Base, zu feiern. Im Mai 2006 reiste er noch einmal nach Nepal. Er stürzte dort und hat sich davon nie mehr richtig erholt.
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