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Hoher Spritpreis: Wirtschafts-Minus und Umwelt-Plus?
Hoher Spritpreis: Wirtschafts-Minus und Umwelt-Plus?

Hoher Spritpreis: Wirtschafts-Minus und Umwelt-Plus?

Wenn sich jemand irgendwann zu Beginn dieses Jahrtausends – oder vielleicht zu Beginn des Euro-Zeitalters - in eine Zeitmaschine gelegt hätte und das Frühjahr 2008 als Zielort angegeben hätte, er würde nun an den Tankstellen unseres Landes seinen Augen nicht trauen. Denn die Teuerung an den Zapfsäulen übersteigt bei weitem das Ausmaß der bei anderen Produkten üblichen inflationsbedingten Preisanpassungen.

Der Mensch aus der Zeitmaschine wird sich sogleich fragen: Was bedeutet das? Können und wollen sich die Leute das Autofahren überhaupt noch leisten? Was machen die, die auf ihr Kfz angewiesen sind, wie sehen die Konsequenzen der Treibstoff-Höchstpreise für Wirtschaft und Transport aus? Oder hat das Ganze am Ende positive Auswirkungen auf die Umwelt, weil die Menschen zunehmend aufs Auto verzichten?

All diese Fragen sind zwar nicht so einfach mit einem Satz zu beantworten, doch gewisse Trends lassen sich erkennen. Die Wirtschaft etwa stöhnt angesichts der hohen Treibstoffpreise, die vor allem Transporte stark verteuern. Und gestiegene Transportkosten schlagen sich in regelmäßigen Intervallen auf die Verkaufspreise vieler Produkte nieder. Autofahrer werden also letztlich gleich zweimal zur Kassa gebeten.

Was für die Wirtschaft ein Minus ist, könnte jedoch ein Plus für die Umwelt sein. Denn je tiefer Autofahrer an den Tankstellen ins Geldbörsel greifen müssen, desto intensiver werden sie über Alternativen zur Fortbewegung auf den eigenen vier Rädern nachdenken. Eine davon ist das Umsteigen auf zwei Räder – sprich aufs Fahrrad. So zeigt eine aktuelle Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), dass heuer in Österreich um 20 Prozent mehr radgefahren wird als im Vorjahr. Bei Anhalten des aktuellen Trends wird mit einer  bundesweiten Gesamt-Radfahrleistung von 1,94 Milliarden Kilometern gerechnet (nach 1,62 Mrd. Kilometer im Jahr 2007), was eine Sprit-Ersparnis von 150 Mio. Liter oder rund 200 Mio. Euro bedeuten würde.

Jedoch ist auch das Fahrrad nicht das Allheilmittel für Alltagswege. Größere Distanzen oder ungünstige Witterungsverhältnisse sind nur zwei Faktoren, die den Arbeitsweg per Drahtesel unmöglich oder zumindest unattraktiv machen können. „Viele Leute sind von der Alltagsnutzung des Fahrrads ausgeschlossen“, erklärte etwa die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brandau im Telefonat mit der APA. „Frauen mit Kindern tun sich zum Beispiel sehr schwer, den Einkauf mit dem Rad zu erledigen. Auch Leute, die im schönen Gewand zur Arbeit erscheinen sollen, werden mit dieser Art des Arbeitswegs Probleme haben.“

Brandau verwies auch darauf, dass der häufig propagierte Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel für viele Menschen nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Speziell in ländlichen Regionen, wo die Entfernungen größer und die Öffi-Netze weniger dicht sind, seien die Leute verstärkt auf ein eigenes Kfz angewiesen. „Am Beispiel Wien ist deutlich zu erkennen, dass die Menschen gerne auf die Öffis zurückgreifen, wenn ein gutes Angebot da ist“, meinte  die ÖAMTC-Expertin. Wie eine aktuelle Pendler-Umfrage des Touringclubs ergab, sehen aber zwei Drittel aller österreichischen Pendler keine Chance auf einen Umstieg, auch wenn sie einen solchen gerne vollziehen würden. Dabei sei zum Beispiel ein wesentlich größerer Zeitaufwand ein häufig genanntes Argument. Und anstatt sich mit unzureichenden öffentlichen Verbindungen abzumühen würden viele Pendler sogar einen Wohnsitz- oder Jobwechsel anstreben.

Auch die Idee der Fahrgemeinschaften erlebt angesichts schwindelerregend hoher Treibstoffpreise eine Renaissance. Allerdings erweisen sich angestrebte gemeinsame Fahrten zum Arbeitsplatz und retour laut Brandau in der Praxis oft als undurchführbar. „Eine Person beginnt eine Stunde später zu arbeiten, eine andere muss Überstunden machen und seine Mitfahrer müssen warten und eine dritte will auf dem Arbeitsweg noch ihr Kind in den Kindergarten bringen – das sind Erlebnisse, wie wir sie von vielen unseren Mitgliedern geschildert bekommen. Der Wille zu Fahrgemeinschaften ist zweifellos da, die Umsetzung ist aber meist sehr schwierig.“ Abhilfe könnten da Projekte wie „Compano“ schaffen. Über die Website www.compano.at können sowohl Mitfahrer als auch Fahrer für bestimmte Strecken gesucht und gefunden werden – sowohl für einfache als auch für regelmäßige Fahrten. Laut einer Sprecherin der Plattform ist die Zahl der auf diese Weise gebildeten Fahrgemeinschaften in jüngster Zeit deutlich steigend.

„Sprit lässt sich natürlich auch durch ökonomische Fahrweise sparen“, ergänze Brandau. Dazu sei ein vorausschauendes Fahrverhalten nötig, Raserei trage nicht dazu bei. „Vor allem eine Fahrweise mit oftmaligem Wechsel von Gasgeben und Bremsen kommt teuer“, sagte die Expertin. An den Tankstellen des Landes ist übrigens nur bedingt eine Änderung des Konsumverhaltens zu beobachten: Bis April ist der Spritverbrauch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar gestiegen, dennoch gibt es eine Art von Umdenken: Es wird seltener vollgetankt. Ein – wenn auch kurzfristiger – positiver Nebeneffekt des hohen Spritpreises: Der Tanktourismus aus dem Ausland ist deutlich zurückgegangen.

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