Skeleton oder kopfüber den Eiskanal hinunter
Skeleton ist ein Wintersport für Waghalsige. Denn kopfüber den Eiskanal hinunterzustürzen ist nicht Jedermanns Sache. Obwohl das benutzte Gerät eher einem Rodelschlitten ähnelt gehört der Skeletonsport zum Bobsport. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es in Österreich einen einheitlichen Bob- und Skeletonverband gibt.
Da sich Österreichs einzige Bobbahn in Innsbruck-Igls befindet, ist es auch nicht erstaunlich, dass die meisten heimischen Vereine in Tirol beheimatet sind. Aber auch in Wien, Steiermark oder Salzburg haben sich Klubs gebildet, bei denen es möglich ist, diesen atemberaubenden Sport auszuüben.
Der Skeleton-Fahrer startet im Stehen. Nach einem kurzen Anlauf springt der Athlet mit dem Bauch auf den Schlitten und begibt sich mit dem Kopf voraus in den Eiskanal. Dabei erreichen die Fahrer Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometer, wobei sie nur wenige Zentimeter über dem Eis liegen. Der Schlitten besteht heute aus einem massiven Stahlgerippe, daher auch der Name Skeleton (Englisch für Skelett).
Erfunden wurde diese Wintersportart in St. Moritz in der Schweiz. Hauptsächlich englische Offiziere widmeten ihre Freizeit dem Rodelsport. Um ein wenig Abwechslung zu haben, probierten die Soldaten verschiedene Sitz- und Liegearten. So entstand auch Skeleton. Bereits 1886 wurde der „Crestarun“ in St. Moritz gebaut, auf denen dann in den Folgejahren unzählige Rennen stattfanden.
In Österreich fand am 23. Februar 1908 auf dem Semmering die erste Staatsmeisterschaft statt. Die zweiten österreichischen Meisterschaften wurden 1910 in Kitzbühel bereits mit zahlreicher internationaler Beteiligung abgehalten. Es gewann ein Franzose vor einem Österreicher und einem US-Amerikaner.
1977/78 wurden mehrere internationale Rennen ausgetragen - neun in Königssee, acht in Igls, drei in Winterberg und eines in Smirzovska. Der österreichische Bobverband erfuhr in dieser Zeit seine Umbenennung in den Österreichischen Bob- und Skeletonverband (ÖBSV).
Die erste Skeleton-Weltmeisterschaft der „Neuzeit“ fand 1982 in St. Moritz statt. Der Innsbrucker Gert Elsässer gewann vor zwei Schweizern. Außerdem wurde der Tiroler im gleichen Jahr Europameister. 1986/87 gab es auch die ersten Weltcuprennen. Gesamtsieger wurde der Tiroler Andreas Schmid.
Der bisherige Höhepunkt in der Geschichte dieser Wintersportart waren die 19. Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002, als es erstmals beim Skeleton um olympische Medaillen ging. Auch wenn man offiziell bereits 1928 und 1948 in St. Moritz bei den Winterspielen vertreten war. "Für mich ist Skeleton das erste Mal olympisch. Cresta und Skeleton ist nicht das Gleiche. Wir fahren in Bobbahnen, in St. Moritz ist das nicht so", meinte auch der Weltmeister von 2001, Martin Rettl.
Der wesentlichste Unterschied ist die Lenkung, denn die Cresta-Fahrer haben auf ihren Schuhspitzen Spikes, mit denen sie sowohl lenken als auch bremsen können. "Außerdem stellen die ihren Schlitten schräg, damit sie in die Kurven einlenken können." Rettl und Co. werden erst im Zielauslauf gebremst - durch Schaumstoff-Matten.
Rettl ist auch der einzige österreichische Olympia-Medaillengewinner im Skeletonbewerb. Der gebürtige Innsbrucker konnte sich 2002 die Silbermedaille sichern, nachdem er als WM-Neuling 2001 in Calgary überraschend Weltmeister geworden war.