Ready for Nature Magazin - Wandern

Biwakieren
© APA (dpa)

Biwakieren – Übernachten im Freien

Der Spätsommer bzw. Frühherbst ist eine beliebte Zeit für mehrtägige Wanderungen oder Klettertouren. In der Regel wird in Schutzhütten, kleinen Pensionen oder im Zelt übernachtet. Wer allerdings in abgelegenen Gegenden unterwegs ist und das zusätzliche Zeltgepäck nicht tragen möchte, der greift auf das Biwakieren unter freiem Himmel zurück. Das kann wildromantisch sein, allerdings sollte dabei einiges berücksichtigt werden.

Biwaks im Gebirge geschehen meist vor dem Hintergrund eines intensiven Naturerlebnisses oder einer alpinen Notlage. Wer sich verirrt oder verspätet und von der Dämmerung zu schnell eingeholt bzw. von einem plötzlichen Wetterumsturz überrascht wird und es nicht zur nächsten Hütte schafft, dem steht unter Umständen eine Nacht im Freien und somit eine Art Notbiwak bevor. Prinzipiell ist Biwakieren ähnlich wie Wildes Campen in der Regel untersagt. Biwaks im Gebirge sind jedoch eine Ausnahme, vorausgesetzt man verhält sich entsprechend. Das bedeutet, keinen Lärm, Müll und kein offenes Feuer zu hinterlassen. Selbstverständlich sind Biwaks im Notfall jederzeit möglich.

Biwakieren ist bei Bergsteigern recht beliebt, da man sich einiges an Gewicht beim Gepäck sparen kann. Benötigt werden dazu ein wind- und wasserdichter Biwaksack, ein Schlafsack, für mehr Komfort eine Isomatte und ein Kocher für das leibliche Wohl. Der Biwaksack wird als Außenhülle um den Schlafsack getan und schützt vor Schmutz, Feuchtigkeit und Auskühlung. Als „Luxusvariante“ gibt es auch ein Biwakzelt, ebenfalls ein Biwaksack, der jedoch mittels einem kleinen Aufbau in Höhe des Kopfes vor Wind und Regen schützt.

Wichtig beim Biwakieren ist die Standortwahl: Man sollte Ausschau halten nach wind- und regengeschützten Stellen. Geeignet sind Plätze unter Felsvorsprüngen und Überhängen, da diese auch gut vor Steinschlag schützen. Das gleiche gilt für kleine Höhlen. Im freien Gelände sollte man Senken und Mulden meiden, da sich hier in der Nacht die kalte Luft sammelt.

In den Alpen, zum Beispiel im Karwendelgebirge, gibt es auch sogenannte Biwakschachteln, die eine gute Notunterkunft für Alpinisten darstellen. Diese „Schachteln“ sind meist kleine Blech- oder Holzcontainer an abgelegenen Orten. Wenn man Glück hat, sind darin Decken, ein Kocher, Vorräte und sogar ein Nottelefon deponiert. Auf manchen Wanderwegen ist es gar unausweichlich, Biwakschachteln zu nutzen.

Für viele Bergsteiger gilt das Gipfelbiwak als das Nonplusultra unter den Naturerlebnissen. Dazu sollte man allerdings ziemlich unempfindlich sein, denn übernachtet wird entweder auf dem oder knapp unterhalb des Berggipfels, und dort ist man den Kräften der Natur ziemlich ungebremst ausgesetzt. Der eigentliche Sinn einer solchen, oft recht ungemütlichen Übernachtung besteht in der Intensität des Erlebnisses: Durch ein Gipfelbiwak lassen sich Sonnenauf- und Untergänge, Sternenhimmel oder auch die Lichter im fernen Tal aus einer ganz anderen Perspektive beobachten.

Für Unerfahrene ist eine Biwaknacht jedoch nicht „ohne“. Die nächtliche Kälte wird dabei oft unterschätzt. Sie stellt die größte Gefahr dar, denn man sollte eines nicht vergessen: Auch im Sommer kann es – gerade in den Bergen – schnell zu Wetterumstürzen kommen und somit empfindlich kalt werden. Verschärft werden kann dies noch durch Nässe und körperliche Erschöpfung. Dann droht eine - unter Umständen lebensgefährliche - Unterkühlung.

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