eva2005
Newbie

Beiträge: 1
|
 |
« am: 05. Februar 2006, 18:48:28 » |
|
Die Salsa Nacht war lang und heiß, ich schlenderte nach Hause, denn die letzte Straßenbahn war schon längst gefahren.
3 Stunden Schlaf und dann den Koffer gepackt, Bahnhof, Fahrkarte. Bahnsteig 11, glücklicherweise nicht 11:45, hätte mich aber im Halbschlaf auch nicht gewundert. Ein Damenabteil, Glück gehabt, der Zug fährt an, Fahrscheinkontrolle, ein Blick auf die Karte, ein Blick auf mich. Die Abbildung auf der Vorteilscard dürfte noch als ich definiert werden.
Der Schaffner geht weiter und Schlaf, süßer Schlaf lässt mich in den Traum versinken.
Attnang-Puchheim, der Zug ruckt, wird umgehängt, vor, zurück, vor. Es ist heiß, abnormal heiß. Das Kind mir gegenüber hat schon ganz nasse Haare. Am anderen Ende des Zuges finde ich den Schaffner. Er folgt mir, öffnet wichtig den Schaltschrank, betätigt einige Knöpfe. Bald wird es kühler werden meint er und geht. Erwartungsvoll blicke ich aus dem Fenster, tauche ein in ein Dunkelgrün, Türkisblau, Grau und Weiß.
Aufstehen, meint der Wecker und auch die Sonne, die schon auf das Bett scheint. Du hast heute einiges vor.
Obertraun, Höhlenpfad, Asphalt, das wünsche ich mir natürlich nicht, und ich ärgere mich, habe keine Lust mit der Gondel hinaufzufahren, keine Lust so lange herumsuchen zu müssen um den richtigen Einstieg zu finden. Endlich ein Schild: "Eishöhle, ice cave, grotte de glace", der Weg wird nicht mehr gewartet, begehen auf eigene Gefahr!!! "Geldgierige Bande" denke ich und gehe das Risiko ein.
Oder wollen sie nur die Schönheit ihrer Landschaft schützen? Denn je höher ich steige desto schöner, bizarrer der Weg. Ein Wasserfall begrenzt von Farnen und Moosen, spendet Kühle an diesem heißen Tag, üppig blühender Almrausch, ein Felstunnel. Das Sonnenlicht, das durch die Blätter in den Wald fällt, sich schimmernd, glitzernd im Gestein, im Wassertropfen bricht, lässt an Feen glauben, die sicher auch in den Alpenglockenblumen wohnen.
Trolle in den Wurzeln, die Bäume zeigen Gesichter und alles ist voll Leben und voll Stille.
Sie haben wirklich noch keine Nummer?
Ach zu Fuß sind sie heraufgekommen, wirklich?
Na dann, Nummer fünf, wenn sie rauf' gehen zum Höhleneingang werden sie gleich aufgerufen, denn das ist die nächste Gruppe zur Führung.
Gruppe fünf zum Abgang in die Unterwelt,
minus ein bis plus ein Grad Celsius erwarten euch!
Acht bis fünfzehn Meter dicke Eisschichten, ein Wechselbad der Gefühle von glaszart bis bedrohlich, vergänglicher Kristallpalast, der an Parsival und seiner Suche nach dem heiligen Gral denken lässt.
Ist nicht jeder von uns auf der Suche?
Jeder ein Parsival,ein Faust, ein Peer Gynt?
Ein eiskalter Weg voll Staunen und Bewunderung, Lichtspiele vom Menschen gemacht, die Besucher zu erfreuen und ihnen die Größe der Natur zu zeigen.
Ein eiskalter Windstoß hilft mir ins Freie, wo ich an den heißen Sommertag pralle, der mich wärmend umarmt.
Ein Besuch im Museum lohnt, denn es zeigt Bilder unterirdischer Orte, die ich ohne fremde Hilfe nicht erreichen könnte. Mutige Menschen, die uns diese Schönheit eröffneten.
Wann fährt die letzte Gondel vom Krippenstein herunter? So um 17:30 denke ich, wollen sie wirklich hinauf, drei ein halb Stunden, das ist noch ein schönes steiles Stück?! Na dann, einen schönen Tag noch!
Anstrengung macht glücklich, jedenfalls mich, denn der leichte Weg hätte mir einiges verwehrt. Matten voll Almrausch, dann weiter oben die Schneefelder, und die Gefahr die es auszuloten gilt. Die Herausforderung anzunehmen und zu bestehen und belohnt zu werden mit einer Matte voll Enzian so weit das Auge reicht, gegen das Weiß der Steine und des ewigen Schnees.
Teufelsloch, Däumel Kogel, endlich, nicht verstiegen, der kleine Däumel See.
Mir ist zum Feiern zumute, das erste Mal in meinem Leben wage ich mich ganz alleine in das Hochgebirge. Es ist ganz leicht, mir ist ganz leicht zumute, als würden die Steine federnd nachgeben und mich zum nächsten weiter tragen.
Der kleine ruhige See, ein Platz für die Rast. Meine Augen trinken das tiefblaue Wasser. Geheimnisvoll und verzaubernd liegt er in der Mulde zwischen Schneefeld und Kuppel.
Eine breite Schneise führt zu den Berghütten und zur Bergstation. Endlich ist der Weg sicher genug um die Aussicht auf den Dachstein Gletscher genießen zu können. Dirndl, Hoher Dachstein, Niederer Dachstein, die bizarren Zacken des Gosau Kammes scheinen zum Greifen nahe.
Stein und Schnee die Wolken ballen sich und ich stehe auf dem Gipfel des Hohen Krippensteines.
Die Gondel bremst sanft und setzt mich im Tal ab. Vierzehn Minuten, von den Wolken bis zur Erde. Erst als ich im Zug sitze zeigen die Wolken was in ihnen steckt. Nachtschwarz wird der Tag, von Blitzen durchzuckt und der Donner bietet ein Konzert, das allen Berggeistern huldigt.
Mehr von mir auch auf der privaten Homepage:
|